„Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht“.

“Durch der Hände lange Kette / Um die Wette / Fliegt der Eimer;
hoch im Bogen / Spritzen Quellen Wasserwogen. / Heulend kommt der Sturm geflogen, / Der die Flamme brausend sucht;
Prasselnd in die dürre Frucht / Fällt sie, in des Speichers Räume, / In der Sparren dürre Bäume, / Und als wollte sie im Wehen / Mit sich fort der Erde Wucht / Reißen in gewalt’ger Flucht, / Wächst sie in des Himmels Höhen.

Riesengroß! / Hoffnungslos / Weicht der Mensch der Götterstärke, / Müßig sieht er seine Werke /
Und bewundernd untergehn.

 Leergebrannt /  Ist die Stätte, /  Wilder Stürme rauhes Bette. /  In den öden Fensterhöhlen / Wohnt das Grauen,
 Und des Himmels Wolken schauen /  Hoch hinein.”

Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke (1799)

Brandkatastrophen & die erste Heiligenstädter Feuerwehr

Wenn wir heute von schlimmen Ereignissen, Katastrophen in modernen Städten des 21. Jahrhunderts lesen oder hören, so denken wir vielleicht an den Brand von Notre-Dame 2019 oder die Kathedrale von Nantes 2020, die teilweise dem Feuer zum Opfer gefallen sind  oder an große, verheerende Waldbrände in fernen Ländern, wie Australien, aber auch durchaus in der Nähe, in Brandenburg im vergangenen Jahr 2019. Nicht zu vergessen sind auch Orkane, Tsunamis, Taifune, die in asiatischen Ländern oder Nordamerika für schwere Schäden verantwortlich waren und sind und das öffentliche Leben in den betroffenen Landstrichen und Kommunen zum Erliegen bringen, hohe Sachschäden verursachen, leider sind vielfach auch menschliche Opfer zu beklagen.

In vergangenen Jahrhunderten waren schreckliche Kriegsereignisse, wie der 30-jährige Krieg im 17. Jahrhundert zwischen 1618 und 1648, zum Beispiel mit der Beschießung und Vernichtung der Stadt Magdeburg, der 7-jährige Krieg 1756-1763 mit der Beschießung der Stadt Dresden oder gar die Kriegsschäden des Ersten und Zweiten Weltkriegs im 20. Jahrhundert, letzterer auch mit Bombardierungen von ganzen Regionen, dem Feuersturm in Coventry, aber auch z.B. Berlin, Hamburg, Köln oder Dresden in der ersten Hälfte der 1940-Jahre, schlimme und schreckliche Erinnerungen.

Durch die enorme technische Weiterentwicklung sind wir heute dank moderner Technik, wie Satellitenüberwachung, Löschflugzeugen oder auch hoch technisierter Feuerwehren, auch in Heiligenstadt, in der Lage, uns zumindest teilweise den Naturgewalten entgegenzustellen und zumindest deren Folgen einzudämmen.

Die Entwicklung des Feuerlöschwesens und auch der Feuerwehren war dabei kein einzelnes Ereignis, sondern ein langer, teilweise auch widersprüchlicher, örtlicher Prozess. Feuerwehren entstanden nicht, ohne dass es nicht zuvor ein gemeindliches, alle männlichen Einwohner verpflichtendes Feuerlöschwesen in der betreffenden Gemeinde bereits gegeben hätte.

Im kurfürstlich-mainzischen Eichsfeld trat als älteste bekannte Anordnung der Regierung am 13. November 1726 eine erste Feuerordnung in Kraft. Darin angewiesen wurde, in den Ortschaften Feuerspritzen anzuschaffen, Spritzenhäuser einzurichten und auch noch Feuerlöschteiche anzulegen. Meist waren Dorfschmiede für die Gerätepflege verantwortlich. Eine weitere Feuerordnung trat am 20. Dezember 1779 in Kraft – Inhalt, unter anderem die Einstellung von Spritzenmeistern und Feuerläufern, Beschaffung von Feuerlöschgeräten, Anlegen von Feuerlöschteichen, Gespannordnung etc. (1)

Doch erst in preußischer Zeit nach 1802, im Jahr 1864, wurde aus dem Gedanken der Notwendigkeit einer gemeinschaftlich organisierten aktiven Feuerbekämpfung ein konkreter Vorläufer einer echten freiwilligen Feuerwehr wurde – die Turner Feuerwehr. Am 1. August 1890 kam es dann zur Bildung einer originären städtischen Feuerwehr mit seinerzeit 30 Mann, darunter sechs Oberfeuermänner und 24 Feuermänner.

Zudem wurde festgelegt für jede Gemeinde und Stadt nach der vom Landrat von Hanstein (residierte im Mainzer Schloss – heute das repräsentative Landratsamt) im gleichen Jahr 1890 veranlassten Neuorganisation des Feuerlöschwesens im Landkreis Heiligenstadt ein Brandmeister und entsprechend der Zahl der Geräte – Feuerwehrmänner – , die sich in Heiligenstadt auch noch zur Pflege der Kameradschaft in einem Verein zusammenschlossen.

Bis zum Jahre 1916 lag die Leitung der Feuerwehr in den Händen von Ortsbrandmeister Philipp Rossi (1853 – 1916) der gleichzeitig als Kreisbrandmeister wirkte somit für Schulung, Feuerlöschgeräte und die technische Leitung bei Großeinsätzen verantwortlich. So beschreibt es die Geschichte der Heiligenstädter Feuerwehr.

Philipp Rossi als enger Verwandter der Herrnschmiede-Familie nun war der Vater von Tischlermeister Heinrich Rossi (1892 – 1960), dessen Ehefrau Katharina, geborene Heinevetter, (1895 – 1982), eine Schwester des Großvaters, Heinrich Heinevetter (1887 – 1931), des Autors war. 2019 konnte die Herrnschmiedfamilie den 90. Geburtstag der Enkeltochter von Philipp, Maria Rossi, begehen.

Die Situation im 16. und 17. Jahrhundert

Versetzen wir uns nun jedoch um einige Jahrhunderte zurück, ins 16. und 17. Jahrhundert, so waren schon kleine lokale Ereignisse, wie schwere Unwetter, Hagelschlag oder Feuerausbruch von existenzieller Bedeutung für die Bevölkerung in den jeweiligen Orten und es gab kaum Möglichkeiten, außer vielleicht der Flucht, sich diesen Dingen entgegenzustellen.

Brandschäden im 17. und 18. Jahrhundert

So war auch in der Stadt Heiligenstadt, der unsere Vorfahren seit mindestens etwa (nachweisbar) dem 15. / 16. Jahrhundert als Handwerker und Familien über Jahrhunderte am Werke waren, schon durch die Verwüstungen des Wassers manch Schaden angerichtet worden. So gab es am 15. Februar 1655 eine fürchterliche Überschwemmung, die die ganze Stadt unter Wasser setzte, Brücken wegriss, tiefe Gräben entstehen ließ und sowohl an Gärten als auch in Häusern großer Schaden entstand. Auch am 27. November 1732 verursachte ein starkes Gewitter mit schnellem Anschwellen der Bäche große Schäden und Verwüstungen, die Mühlen wurden teilweise zerstört, Stallungen überflutet, Öfen umgeworfen in einigen Häusern und Hausgerät und Kaufmannswaren ins Freie gespült.

So brannte am 12. Mai 1679 ein Haus beim Jesuitenkollegium ab und weitere sechs Häuser wurden stark beschädigt. 1684 brach gleich zweimal Feuer aus, einmal am 2. Februar 1684 beim Geisleder Tor und das zweite Mal am 25. Dezember. Glücklicherweise griffen diese beiden Brände jedoch nicht weiter um sich.

Nicht so schnell waren dann am 11. Januar 1725 die Flammen zu dämpfen, als sie das Kornhaus, die Scheune bei der Landschreiberei mit dem Hintergebäude des Vicedoms (Vertreter des Mainzer Statthalters) und sechs weitere Häuser im Knickhagen ergriffen.

Neun Jahre später, 1734 wurden schon wieder vier Häuser am Heimenstein ein Raub der Flammen und im darauffolgenden Jahr, 1735, wurde ein neu erbautes Haus mitten an der Straße ein Raub der Flammen.

Der Stadtbrand von 1739

Am 29. Februar 1739 verzehrte das Feuer einen Gasthof beim Bergtor. Dieser Vorfall war ein trauriger Vorbote des schrecklichen Brandes, der am folgenden Tag beinahe die ganze Stadt in Schutt und Asche legte.

Stadtplan von 1646 Pastor Fluck – Zeitungsbeilage – Fam-Archiv A. Heinevetter

Das Feuer, das in der sogenannten Windischen Gasse, nicht weit vom Bergtor (Kasseler Tor) , in einer Scheune ausbrach (-> Stadtplan von 1646), wurde durch einen heftigen Südwind rasend schnell an die nächsten Häuser an der Neustädter Straße weiter geleitet. Durch den großen Funkenflug in die Altstadt, standen binnen 1 Stunde überall Häuser in Brand. Die Bürger versuchten nun, jeder zunächst sein eigenes Haus, oder wenigstens das Hausgerät, zu retten, was dazu führte, das kaum einer noch dem anderen helfen konnte.

Zu diesem Unglück kam hinzu, dass der Wind sich gegen 22:00 Uhr von West auf Nordost drehte und so auch noch die bisher verschonte Seite der Stadt das Feuer bis ins Geisleder Tor in Flammen stand. Auch die eilig herbeigekommenen Bauern aus den umliegenden Dörfern konnten diesem Feuer nicht Einhalt gebieten. Zu Gebote standen allenfalls Einreißhaken, Lederlöscheimer… – “der Hände lange Kette…”

Jedoch gelang es einigen beherzten Männern der Stadt, die Kirche unserer lieben Frau (St. Marien) noch zu retten, die auch bereits vom Feuer angenagt war.

Am anderen Morgen um 6:00 Uhr lagen 405 von etwa ca. 550 Häusern in Schutt und Asche, nebst Scheuern und Stallungen. Nur einige Häuser in der Windischen Gasse, Am Bergtor, am Stift und am Knickhagen bis zum sogenannten Holzbrückentor (Leinebrücke) blieben noch stehen.

Der Schaden der Bürger war umso größer, da die allermeisten Bürger auch ihr Vieh, Hausgeräte, alle Früchte und Kleider eingebüßt hatten. Was auch in den folgenden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts noch den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt stark beeinträchtigte.

Nachdem sich die unglücklichen Bürger von den Empfindungen dieser grausigen Nacht ein wenig erholt hatten, mussten sie schauen, wie sie nun weiterkamen und wo sie nun unterkommen sollten. Einige fanden bei ihren lieben Mitbürgern, deren Häuser noch stehen geblieben waren, Aufnahme, manche zogen auf die nächsten Dörfer. Andere entschlossen sich vor Ort in den Kellern (!) ihre abgebrannten Häuser sich niederzulassen.

Erstaunlicherweise wurde durch die in Heiligenstadt im Jesuitenkolleg aktiven Jesuiten unter Leitung des Pater Rektors, Anton Kolligs, bereits nach acht Tagen der Schulunterricht wieder aufgenommen, eigentlich unglaublich, und auch die Lehrer wurden veranlasst, sowie die Geistlichkeit, die Stadt nicht zu verlassen und den Bürgern in der schweren Lage zur Seite zu stehen.

Die Lage in der Herrnschmiede – Soli deo Gloria

Wenn wir dem obigen, ausführlichen Bericht des Jesuiten und Historikers, Heimatforschers, des excellenten Kenners der Eichsfelder Geschichte, Johann Wolf (1743-1826), in „Städte im Obereichsfeld“  (1800) folgen, so machten also einige der Heiligenstädter Bürger „aus der Not eine Tugend“ und zogen in die noch verbliebenen Kellerräume ihrer ehemaligen Häuser.

Einer der Söhne von Herrenschmied Christoph Heinevetter (1649 – 1711), Henricus (Heinrich) Heinevetter (1683-1763), hatte 1716 in der Kirche „St. Marien” Anna-Elisabeth Conradi geheiratet. Ihre zehn Kinder wurde zwischen 1716 und 1736 geboren.

Dieser Henricus Heinevetter war im Jahre 1722 Meister der „ehrbaren Schmiedezunft zu Heiligenstadt“, wobei die Zünfte in ihrer Tätigkeit durch Kurfürstliche Ordnungen, wie beispielweise in der Ordnung vom 13.11.1649, geregelt und eingebunden wurden.

Kurfürstlich-Mainzer Verordnung der (Kupfer)-Schmiede für Heiligenstadt und Duderstadt vom 13. November 1649

Henricus Heinevetter 1722 als Meister der Schmiedezunft belegt, dass bereits weit vor 1739 in dem betreffenden Gebäude eine Schmiede betrieben wurde, wie wir heute wissen sogar vor 1632, wahrscheinlich schon in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert nach dem Bauernkrieg (1525).
Sein Haus zählte am 1. März 1739 zu den insgesamt 405 von ca. 550 Häusern der Stadt, welche vom großen Stadtbrand in Schutt und Asche gelegt wurden.

Ausstellungstafel Schmiedehandwerk im Eichsfeld, 2010, Eichsfelder Heimatmuseum Heiligenstadt

Sein nach dem großen Brand vom 1. März 1739 verbliebenes weniges Hab und Gut brachte er in den steinernen Gewölbekeller des Hauses – wie es auch oben Johann Wolf allgemein in der Geschichte der Stadt beschreibt.

Hier lebte er vorerst, mindestens bis zum Herbst 1739 auch mit seiner Familie auf dem hinteren Grundstück (Hof) muss ein tiefer Brunnen vorhanden gewesen sein. In der Mitte des Kellers hing an einem Haken wahrscheinlich eine Öllampe; deren Qualm und auch der beim Kochen entstehende Rauch wurden durch ein Tonrohr nach außen abgeleitet.

In einer Ecke des Kellers muss aber ein Holz-Schrank gestanden haben, welcher die wenige Habe der Schmiedeleute barg und sicher auch der Aufbewahrung von Lebensmitteln diente. Später muss in den oberen Teil der Tür jenes Schrankes mit bunter Farbe geschrieben worden sein:

 „Soli deo gloria 1739″ (Gott allein die Ehre).

Dieser Schrank mit Inschrift existierte noch bis in die 1960er Jahre (!), also über 200 Jahre, die Inschrift wurde aber erst beim Auszug des letzten Herrnschmieds, Martin Heinevetter (1886 – 1965), im Jahre 1963, durch einen Zufall von der neu einziehenden Familie Aloys (Jg. 1924) und Marie-Luise Schade, geb. Heinevetter, (1927 – 2011), (Nichte des letzten Herrnschmieds), wiederentdeckt.

Ebenso existierte das Tonrohr mit noch deutlichen Rußschwärzungen sowie der Deckenhaken für die Öllampe – beides wurde vom Autor dieses Beitrags noch 230 Jahre später (!), in den 1960-Jahren persönlich in besagtem – dunklem und auch ein wenig unheimlichem… – Kellergewölbe in Augenschein genommen.

Nach dem Stadtbrand wurde zur Verschönerung der Stadt auf Beschluss des Rates 1747 bis 1749 die Lindenallee gepflanzt, die dann 250 Jahre später im Jahre 1992 auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im Rahmen der ab 1990 laufenden Sanierung der historischen Altstadt durch eine Neuanpflanzung wieder mit Linden besetzt und neu gestaltet wurde.

Die Wiederaufbauarbeiten müssen – wenn auch mit sehr primitiven Mitteln – recht zügig vorangegangen sein. Der Wiederaufbau der Stadt und damit auch der Schmiede wurde vom Kurfürsten und vom Rat im Rahmen der Möglichkeiten gefördert. Der Kurfürst in Mainz, Philipp Karl v. Elz (1732-1743) gewährte Kontributionsfreiheit (Steuerfreiheit) für die nächsten 10 Jahre, wenn ein Neuaufbau mit maximal zwei Stockwerken innerhalb von zwei Jahren, das untere maximal 12 Schuh und das obere maximal 11 Schuh hoch, erfolgte.

Dies alles unter den wachsamen Augen der Mainzer Obrigkeit, die der Ansicht war, den Bau und Wiederaufbau nicht eines jeden Willkür widerfahren zu lassen, sondern, dass es ratsam sei, dem ganzen Werke eine gleichförmige Vorschrift zu geben, umso der neuen Stadt eine bessere Gestalt zu erteilen.
Daher ließ die Mainzische Regierung des Eichsfelds durch den Kurfürstlich-Mainzischen Geheimen Rat und Statthalterverweser des Eichsfeld, Hans Caspar vom Hagen, den Bürgern am 21. April 1739 den kurfürstlichen Befehl zu Kund und Wissen machen, dass wie oben gebaut werden dürfe. Zudem wurden im Mai 1739 die Gassen von den Baukommissaren abgemessen und die Privatplätze, wie auch die Keller, welche zu den Gassen genommen werden sollten, wurden durch die kurfürstliche Kasse nach der Höhe der Taxierung entschädigt.

Es folgt hier, höchst erstaunlich, ein Einblick in die Originalakte des Jahres 1739, die heute im Landesarchiv Sachsen-Anhalt zu Wernigerode vorliegt und inzwischen, neuerdings vor kurzem bereits digitalisiert wurde!

Kürfürstlich-Mainzische Wiederaufbau-Verordnung vom 21.04.1739 Stadtbrand HIG

Diesem besonderen Vorgehen der Mainzischen Regierung ist es geschuldet oder zu verdanken, je nach Betrachtung des geneigneten Lesers, dass in ganzen Straßenzügen, wie auch der gedachten Lindenallee, mithin auch dem Herrnschmiede-Haus, die “alten” Keller nun im hinteren Bereich der Grundstücke lagen und nach vorne zur neuen Straßenlinie hin etwa 4-5 m versetzt kellerlos gebaut wurde.

Somit fand man bei Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert dann unter den Fußböden im Erdgeschoss nach vorne zur Straße hin “nichts” vor – den blanken Erdboden, da Isolierungen (nach heutigen Maßstäben) in der bedachteten Bauzeit weder bedacht, noch möglich waren.

Feuerversicherungen waren zudem im 18. Jahrhundert noch nicht allgemein üblich – allerdings soll die Wiege der Feuerversicherung – und damit der Versicherungswesens überhaupt – im Raum Hamburg gestanden haben.
In der Nähe der Hansestadt liegt der kleine Ort Süderauerdorf. Dort soll im Jahre 1537 der allererste Feuerversicherungsverein gegründet worden sein. Im Jahre 1591 folgte der Hamburger „Feuer-Kontrakt“, eine Vereinbarung von städtischen Brauereibetrieben.

Die Brauereien zahlten dabei jeweils festgeschriebene Summen in eine Versicherung. Dies, um im Brandfall eine entsprechende Entschädigung zu erhalten. Im Jahr 1676 ging der „Feuer-Kontrakt“ in die noch heute bestehende „Hamburger Feuerkasse“ über. Diese Feuerkasse gilt somit als ältestes Versicherungsunternehmen der Welt.

Aus gleicher Zeit stammt die „Tiegenhöfer Brandordnung“ aus dem Jahr 1623. Sie wurde von der christlichen Glaubensgemeinschaft der Mennoniten in Danzig ins Leben gerufen.

Erst etwa Mitte des 18. Jahrhunderts konnte sich das Solidarprinzip der Brandkasse in vielen deutschen Städten durchsetzen. Der Brandfdall war für viele seinerzeitige Versicherungen eine äußerst kostspielige Angelegenheit, denn großflächige Stadtbrände waren keine Seltenheit (-> feuerfakten.de).

Leider im Kurfürstentum Mainz und der Eichsfelder Enklave jedoch noch nicht realisiert um 1740. Später erst am 15. Juni 1780 wurde für das Kurfürstentum eine Kurfürstlich-Mainzische Feuer-Assekuranz-Ordnung durch den Kurfürsten Friedrich Karl Joseph (Titelblatt) erlassen.

Kurfürstlich-Mainzische Feuer-Assecuranz Ordnung vom Jahre 1780 (Titelblatt)

Somit konnte es im Jahre 1739 also auch keinerlei Ersatzzahlungen geben, musste beim Wiederaufbau mit sehr bescheidenen Mitteln und ganz geringen finanziellen Mitteln vorgegangen werden:
Tuffstein, Buchensteckengeflecht, mit Lehm und Stroh ummantelt, wurden verwendet, Hartholz (Eiche, ggf. Fichte) nur dort, wo es unumgänglich war, zum Beispiel bei statisch wichtigen Konstruktionselementen und den Decken.

Ansonsten wurde einfaches Holzfachwerk gebaut, auch mit ungewöhnlichen Material, Brandsteinen aus den abgebrannten Häusern und Konstellationen wie Kirschbaum, Pflaumenbaumholz etc. – eben was gerade noch zur Verfügung stand… , zudem wurde spargebaut, d.h., zum Beispiel zu Nachbarhaus-Dachböden zunächst die Flächen nicht oder nur kaum verschlossen, was natürlich in späterer Zeit zu verschiedenen Problemen führte.

Für die Herrnschmiede ergibt sich dies aus dem Befund der verschiedensten Bauarbeiten, der in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts – ab 1963, 1999 und nun wieder 2020 vorgefunden wurde.

Henricus Heinevetter hat 17 1/2 pfd. eisen verarbeitet (für die Stadt) welches bürgermeister pingel wird bezahlen …
Auszahlungsbeleg Stadtkasse für den Henricus Heinevetter im Jahre 1740

Meister Henricus Heinevetter jedoch begann so schnell wie möglich schon im Sommer (Juni) 1739 bereits wieder mit seiner Arbeit, wie sich heute noch anhand von Jahresabrechnungen an die Stadtkämmerei für die Schmiedearbeiten der Jahre 1739/40 nachvollziehen lässt. Der erste Beleg von Arbeiten für die Stadt Heiligenstadt nach dem Brand stammt vom 23. Juni 1739.

Verzeichnis, was ich – Henricus Heinevetter – in die gemeinde an schmied arbeit gemacht hab 1739 bis 1740 wie folgt…
Verzeichnis, was ich – Henricus Heinevetter… 1739/1740… – Transkriptionen von
Albert Heinevetter (1930-2016), ca. 2001

In den Akten der Kämmerei sowie weiteren Unterlagen zur Schmiedezunft im Heiligenstädter Stadtarchiv sind noch eine ganze Reihe von weiteren direkten und indirekten Nachrichten zur Tätigkeit der Schmiede-(zunft) zu finden, deren einzelne Auswertung jedoch in die Zukunft angedacht werden muss.

So soll nach mündlicher Überlieferung in der Herrnschmiedefamilie, zuletzt bis Herrnschmied Franz-Xaver Heinevetter (1857-1942), und ein Gespräch mit ihm in den 1930-Jahren beispielweise hier unter Bezug auf eine weitere Akte aus dem Jahre 1739 im Stadtarchiv, es wie folgt gewesen sein:
der in der Zeit des Stadtbrandes vor Ort wirkende Bildhauer Jagemann, der im Garten der St. Martinskirche ein beim Brand beschädigtes Standbild repariert hatte, hat der Stadt am 8. Juli 1739 eine Rechnung über zwei Taler eingereicht.
Darunter soll er vermerkt haben: „Wann E.V. Rath mir die Linden (die Linde) bey der Herrenschmiede überlasset, so kann das geldt reservirret werden.”

Diese spezielle alte Akte konnte jedoch bisher leider noch nicht im Stadtarchiv wieder aufgefunden werden. Dennoch können wir uns glücklich schätzen, aus der Zeit vor 300 Jahren und den sehr schwierigen Umständen vor und nach dem Stadtbrand des Jahres 1739 diese Nachrichten für die Nachwelt weiter vermitteln zu können.

Die Herrenschmiede Familie wusste auch diese Notsituation zu meistern – der Sohn des Meisters, Christoph Heinevetter (1719-1798), wurde 1758/59 Schmiedemeister und führte unter anderem von 1781 bis 1782 mit Meister David Haber die Einnahmen- und Ausgabenbücher der „ehrbaren Schmiedezunft zu Heiligenstadt“. Er, der Urenkel von Ernst Heinevetter, hatte mit seiner Frau Anna-Maria Hackethal aus Reinholterode (1740-1800), acht Kinder, die zwischen 1764 und 1784 geboren wurden.

Der spannende & facettenreiche weitere Weg der Herrenschmiede-Familie bis in die Gegenwart des 20./ 21. Jahrhunderts soll in den nächsten Folgen der Herrnschmiede Geschichte beschrieben werden. Wir freuen uns auf Euer weiteres Interesse 🙂

Bisher sind erschienen –

Die Herrn-Schmiedefamilie I (vgl. Familie 1910, Schmiedemstr. seit 1580)

Der Bürgereid von 1671 II

Quelle: Matthias Heinevetter, Heiligenstadt / Fam.-Archiv

Feuerwehr Heiligenstadt – Archiv/Rückblick

Städte im Obereichsfeld – Johann Wolf – Heiligenstadt (1800)

Landesarchiv Sachsen-Anhalt

Die Herrenschmiede und der große Stadtbrand des Jahres 1739 – Soli deo Gloria

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