Im kürzlich (August 2020) veröffentlichten Blogbeitrag zum Thema Stadtbrand in Heiligenstadt vom Jahre 1739, konnte die Geschichte der Stadtbrandes und die Geschichte des abgebrannten Gebäudes der Herrnschmiede Heinevetter in der Heiligenstädter Lindenallee dargestellt werden.

Stadtplan Heiligenstadt 1646 Pastor J. Fluk – Zeitungsbeilage – Fam.-Archiv Heinevetter, Heiligenstadt

In jener Zeit war Henricus Heinevetter 1722 Meister der Schmiedezunft und ein Beleg dafür, dass bereits weit vor 1739 in dem betreffenden Gebäude eine Schmiede betrieben wurde, wie wir heute wissen vor 1632, wahrscheinlich sogar schon in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts nach dem Bauernkrieg (1525).
Sein Haus zählte am 1. März 1739 zu den insgesamt 405 Häusern der Stadt, welche vom großen Stadtbrand in Schutt und Asche gelegt wurden.

Klar war, dass in den Akten der städtischen Kämmerei sowie weiteren Unterlagen zur Schmiedezunft im Heiligenstädter Stadtarchiv sich noch eine ganze Reihe von weiteren direkten oder indirekten Nachrichten zur Tätigkeit der Schmiede-(Zunft) finden würden, deren Auswertung sicherlich weitere interessante Erkenntnisse mit sich bringen würde.

Bei der Erforschung der Handwerks- und Familiengeschichte der Herrnschmiede zu Heiligenstadt, Lindenallee, aus der unsere Vorfahren stammen, war ich schon bei meinen Beitrag im Eichsfelder Jahrbuch, 2003, des VEH (Verein für Eichsfeldische Heimatkunde) auf einen Hinweis zu einer Unterlage aus dem Stadtbrand 1739 gestoßen.

Seinerzeit hatte aber die intensive Suche mit dem seinerzeitigen Archivar, (Dr.) Thomas T. Mueller, heute Direktor Museen zu Mühlhausen/Th., verschiedene Unterlagen zu Tage fördern können, jedoch NICHT die Unterlage der Rechnung des Bildhauers Jagemann von vermutlich 8. Juli 1739 an die Stadt Heiligenstadt.

Diese Rechnung wurde unter anderem beschrieben in einem Text von Otto Glorius aus etwa aus der zweiten Hälfte der 1930 Jahre (der seinerzeit hochbetagte Urgroßvater Franz-Xaver Heinevetter (1857-1942) muss in jener Zeit noch gelebt haben. Dies, da der Text, den die engere Familie 1972 von einem Verwandten, Doktor Karl Nolte, Meckenheim, als Schreibmaschinen-Kopie erhalten hat, auf eine persönliche Begegnung mit dem greisen Urgroßvater Franz-Xaver aufsetzt.

Schon von einer seinerzeit im Studium im Jahre 1979 geschriebenen Jahresarbeit zur Wirtschaftsgeschichte wusste ich noch, dass die bekannte und sehr versierte Heimatforscherin, Maria Kramann, im Jahre 1965 in einem längeren Aufsatz zur Geschichte der Lindenallee in Heiligenstadt auch etwas zum Stadtbrand 1739 und der Herrnschmiede geschrieben hatte.

Von der damaligen Jahresarbeit liegen aber nur noch mehr oder weniger handschriftliche Auszüge vor. Gleichwie, über die Unibibliothek Jena, zu der gute Kontakte aus beruflichen Zeiten zuletzt bestanden, konnte nun im August 2020 der Auszug dieses Aufsatzes der Autorin Maria Kramann gefunden werden und darin tatsächlich auch den Verweis auf diese besagte Rechnung vom 8. Juli 1739  des Bildhauers Jagemann.

Und spannend – auf Seite 170 fand sich ganz am Seitenende ein Hinweis- und zwar auf den vermutlichen Lagerort der Quellunterlage/Registratur – nämlich auf das Stadtarchiv Heiligenstadt und die Spezialakte „Der große Brand. 1739 X 10.“

Ich vermutete nun, dass dort die vor 9 Jahrzehnten (um 1930) noch vorhandene und zuletzt vor 20 oder 25 Jahren gesuchte und nicht gefundene Rechnung von dem Bildhauer Jagemann liegen könnte, in der die Linde bei der Herrnschmiede erwähnt wird.

Es folgte nun Anfang August 2020 eine Anfrage beim Heiligenstädter Stadtarchiv dahingehend, ob in dieser Spezialakte zum großen Stadtbrand 1739 tatsächlich jene besagte Rechnung auffindbar sein sollte. Sollte das der Fall sein, so bat ich, hier eine Kopie anzufertigen – für die Kosten würde ich selbstverständlich aufkommen.

Denn – nach mündlicher Überlieferung in der Herrnschmiedefamilie, zuletzt bis Herrnschmied Franz-Xaver Heinevetter (1857-1942), und gemäß eines der Schreibmaschinentextes aus den 1930-er Jahren, der 1972 in Kenntnis der Schmiedafmilie gelangte, sollte in einer Akte aus dem Jahre 1739 im Stadtarchiv der in der Zeit des Stadtbrandes vor Ort wirkende Bildhauer Hermann Adolph Jagemann der Stadt Heiligenstadt am 8. Juli 1739 eine Rechnung über zwei Taler eingereicht haben.

Darunter soll er vermerkt haben:

„Wann E.V. Rath mir die linden (die Linde) bey der herrenschmiede überlasset, so kann das geldt reservirret werden.”

Auszug aus dem Text 1930-Jahre (Schreibmaschine)

Diese spezielle alte Akte konnte im Stadtarchiv bis Mitte 2020 leider jedoch nicht wieder aufgefunden werden. Dennoch können wir uns glücklich schätzen, aus der Zeit vor 300 Jahren und den sehr schwierigen Umständen vor und nach dem Stadtbrand des Jahres 1739 diese Nachrichten an die Nachwelt vermitteln zu können.

Das war auch unsere Vermutung bzw. der Erkenntnisstand 2003, bei dem Beitrag zur Herrenschmiede im Jahrbuch des Vereins für Eichsfeldische Heimatkunde zusammengetragen. Erst 2 Jahre später, etwa 2005 wurde aus den Forschungen von Dr. Schmalz im Heiligenstädter Kommissariatsarchiv deutlich, dass es eine noch viel ältere Erwähnung der Schmiede gab – nämlich die mit dem Ur-Vorfahren, Herrnschmied Jakob Heinevetter (1580-1658), der im Jahre 1632 im Kirchenbuch St. Aegidien als Herrnschmied erwähnt wird;

Anna Margreta des herrenschmidts Jacob heinevetters tochter war pate

Am 28. August 2020 nun erhielt ich spannende Antwort vom Stadtarchiv Heiligenstadt, der Leiterin , Frau Anne Hey, wie folgt (Auszug):

“… heute haben wir jedoch Glück. Ich habe mich in den letzten Tagen durch ihre Anfrage „durchgebissen“ und habe tatsächlich die besagte Rechnung von Hermann Adolph Jagemann finden können.

Die Quellenangabe, die Kramann verwendet hat, enthielt einen Fehler. Es konnte nicht stimmen und folgerichtig, haben Sie damals bei meinem Vorgänger nichts finden können.

StadtA HIG: X, Nr. 10  = Gesuche um Erlaubnis, Gemeindeteile urbar machen zu dürfen. 1799- 1815

Ich habe mehrere Tauschvarianten durchgespielt und bin dann bei StadtA HIG: XXX, Nr. 10 fündig geworden = Der große Brand von Heiligenstadt 1739 Taxation, Neuaufbau, Unterstützung. 1739-1741

Im Anhang finden Sie den Scan der gesuchten Rechnung.  Solcherlei Fehler in den Quellenangaben sind mir bei M. Kramann (die trotz dessen Großartiges geleistet hat, in der Heimatgeschichtsforschung) schon des Öfteren begegnet.”

Rechnung vom 8. Juli 1739 mit Erwähnung der Herrnschmiede zu Heiligenstadt
“wann EEv. Rath mir die linden bey der herrenschmiedt überlaßet, so kann das geldt reserviert werden.”

Das war ein toller, ja sensationeller Archivfund – wofür dem Stadtarchiv Heiligenstadt und seiner Leiterin großer Dank gilt für ihre Bemühungen! –

Ein Jahrzehnte altes Rätsel konnte nun endlich gelöst werden 😊 und bewiesen werden, die Erwähnung der Herrnschmiede nebst besagter Linde im Jahre 1739.

Dies ist damit die (bisher bekannte) zweitälteste Erwähnung der Herrnschmiede Heinevetter in offiziellen Dokumenten von Stadt oder Kirche – somit ein Beleg einer Jahrhunderte währenden Familien-Traditionen im Schmiedehandwerk für die und in der Stadt Heiligenstadt –

Eine spannende Verbindung von Stadt-, Handwerks- und Familiengeschichte. Deren Fortgang über die verschiedenen Jahrhunderte soll auch in künftigen Blogbeiträgen weiter beleuchtet werden.

1739 – die linde(n) bey der herrenschmiedt – Sensationsfund im Stadtarchiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

acht + neun =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.