Ein ledergebundener Folioband von ca. 800 Blatt aus dem Jahre 1671, der sich im Stadtarchiv befindet, und wie durch ein Wunder die Geschehnisse der Jahrhunderte rund 350 Jahre überdauert hat, enthält alle Liegenschaften und Abgaben der Bürger jener Zeit.

gebundenes Urkundenbuch – Imagem de PIRO4D por Pixabay

Dabei zahlte man für ein Brauhaus 13 Kaisergroschen 10 Pfg., für ein ein Kothaus (Katenhaus) 7 Kgr. 2 Pfg., von einem Acker Land, wenn er nahe lag, 6 Kgr., wenn er weit lag, 4 Kgr.

Die Acker lagen allerdings in der Stadtflur sehr zerstreut, da der Besitz bereits stark zerstückelt war. 1/2 bis 2 Acker war die Regel, sodass z.B. 50 Morgen fast an 30 verschiedenen Stellen lagen.

Seit dem Mittelalter war die Stadt in vier Viertel eingeteilt: Obere und Untere Altstadt, Obere und Untere Neustadt. Das alte Rathaus (Ratsgasse) standgenau auf dem Schnittpunkt der vier Viertel über der Geislede, die auch die Alt- von der Neustadt trennte. Das Stadtregiment führte der Bürgermeister mit dem Rat. Die Oberaufsicht führte der Stadtschultheiß als kurfürstlicher Beamter.

Die ersten Seiten des Lagerbuches enthalten die einzelnen Flurteile und den Bürgereid, danach folgen die Liegenschaften und Abgaben der Bürger. Da sie der Reihenfolge nach aufgeführt sind und zuweilen Straßennamen erwähnt werden, kann man an anhand des alten Stadtplanes von Johann Fluck (1646) die Lage der damaligen Wohnhäuser noch sehr genau feststellen. Der größte Teil der Stadt brannte zwar später im Jahre 1739 nieder, aber die Lage der Straßen ist im allgemeinen geblieben (vgl. auch Wolf, Geschichte von Heiligenstadt S. 227).

Das Lagerbuch beginnt wie folgt:

Lage vor Heiligenstadt und waß jedes Geschoß giebet, von Herrn Stadtschultheißen Johann Christoph Zwehlen, Bürgermeistern und beeden Räthen, auch denen Pfahlherren wegen gemeintlicher Bürgerschaft benanntlichen Hr. Georgio Freytagen, Georgen Pingeln, Georg Wißen und Adam Würsteschmidten einträglichen gemachet, den 9. Januarii Anno 1671.

Liegenschaften und Einkünfte der Bürger wurden abgeschätzt und die jährlichen Abgaben (Geschoß, Thomasgülte, Pachtgeld, Wegegeld, Pfann-, Bürgergeld usw.) flossen in die Stadtkasse oder standen dem Kurfürsten zu.

Nach der Höhe der Abgaben richtete sich auch die Menge des Viehes, das der Bürger halten dürfte. Der Bürgereid lautete:

Ich schwöre einen hl. Eid zu Gott und einem hl. Evangelio, daß ich alle meine, in und vor hiesiger Stadt liegenden Güter an Haus und Hof, Acker, Malz, Gärten, Wiesen, Flecken und wüsten Baustätten, selbe mögen auch Namen haben, wie sie wollen, wie mir anbefohlen, richtig specificieren und anzeigen, auch nit das Geringste, was diesfalls dem gemeinen Wohle, Stadtkämmerei und dem Geschoß zum Nachteil, Schaden und Abtrag gereichen möchte, verschweigen, verhalten oder durch andere hinterhalten lasse, sondern alles, von Stück zu Stück, spezifizieren und. dabei, was Lehen, frei oder meinem Gnädigsten Herrn und andere Thomas Gülte, Zins, Zehent oder sonsten schoßbar sei, ich auch anderes verpfändet und von anderen pfandweis, auch meiersweise innehaben möchte, benennen und treulich melden.

Da auch ein oder anderes verschweigen und ich darüber betreten würde, Herr Schultheiß, Bürgermeister und Rat befugt sein solle, selbiges zu confiszieren und mich darüber als einen Meineidigen bestrafen lassen wolle.

So wahr mir Gott helfe und ein hl. Wort.”

Obiger Aydt ist der Bürgerschaft ohne Respect der Persohnen viertelsweiß in Curia Senatoria [Rathaus] abgeschworen, den 3o ten Oktobris anno 1670.

(nach HIG Lagerbuch 1671 – Transscription – StA – ca. 1950-er Jahre)