Fam.-Forschung – Dr. Franz Heinevetter (1885 – 1949)
Bild 1924 – Quelle: Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, Oberschlesische Stimme 2.5.1924
1. Direktor des Oberschlesischen Museums zu Gleiwitz,
u.a. Autor des -> Museumsführers
(Broschüre v. 1930)
-> Textlink zur PDF/A-Version dieser Seite – [update_2021.10.17]

Die Lebensgeschichte von Dr. Franz Heinevetter (1885 – 1949), Sohn von Georg Heinevetter (1848 – 1926) – ein Bruder unseres Vorfahren Herrnschmied Franz-Xaver Heinevetter (1857 – 1942) ist ein spannendes Zeugnis der zum Teil verheerenden Umbrüche vom 19. zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Georg und Franz-Xaver wiederum waren Söhne des Ur-Ur-Großvaters (d. Autors) Martin Heinevetter (1807 – 1891).

Diese Geschichte führt uns im Deutschland (Kaiserreich seit 1871) aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, seit 1803 preußischen Eichsfeld, über die Werra-Stadt Treffurt, ebenfalls preußisch, über das preußische Erfurt in das sächsische Leipzig und in das preußische Oberschlesien in die Metropole Breslau, von dort nach Gleiwitz sowie zurück in das kriegszerstörte und von Besatzungstruppen besetzte “neue” Land Thüringen – nach Erfurt – ab 1945 bis 1952.

Eltern und Herkunft aus der Herrnschmiede Heinevetter zu Heiligenstadt

Der Vater Georg Johann Heinevetter wurde als Sohn von Herrnschmied Martin Heinevetter (Senior) (1807-1891) und seiner Ehefrau Catharina, geborene Rhode, (1819-1891) am 12. August 1848, im Revolutionsjahr, in Heiligenstadt im Eichsfeld geboren.

Sanduhr-Tafel (Vor- & Nachfahren) Georg Johann Heinevetter (1848-1926) – Kurzversion (erstellt mit AHNENBLATT 3.21)

Er heiratete am 04. Mai 1875 in Heiligenstadt, in der katholischen Pfarrkirche St. Aegidien, Margarete Wöhrle, geboren am 13. Januar 1854 in Heiligenstadt als Tochter des Kaufmanns Georg Wöhrle und seiner Ehefrau Barbara, geborene Mock.
Georg Wöhrle sowie auch Franz Wöhrle (Kaufmann – tritt in der Heiratsurkunde als Zeuge mit auf) muss ein Ladengeschäft in der Heiligenstädter Wilhelmstraße Nummer 269 innegehabt haben – so kann man es aus der Heiratsurkunde der Tochter Therese von 1875 herauslesen.

Schon der Name Wöhrle deutet jedoch darauf hin, dass diese Familie nicht ursprünglich aus dem Eichsfeld stammte, sondern eher aus Süddeutschland, Region des heutigen Baden-Württemberg, dies konkretisiert auch nach mündlicher Überlieferung in der Herrnschmiede Familie – sogar aus dem Elsass.

Spannender Weise erhielt der Autor Anfang der 2000-Jahre eine Information zu dieser Verwandtschaft – man erinnerte sich auch nach 120 Jahren noch an Georg Heinevetter & Therese Margarethe (Wöhrle) (Vorfahren aus dem Elsass.)

Auch hier sind interessante Nachforschungen in den französischen Archiven oder deutschen genealogischen Forschungsdatenbanken noch denkbar, jedoch fehlt es leider an einem konkreten Bezug zu einem Ursprungsort der Familie Wöhrle im Elsass, was die Suche sehr erschwert. Dennoch findet man bei Teilrecherchen zum Beispiel im Heiligenstädter Adressbuch von 1924 drei Personen mit dem Namen Wöhrle Franz und Heinrich, vermutlich Vater und Sohn, in der Ibergstraße 14 sowie G., vermutlich Georg. Sodann auch Heinrich Wöhrle 1849 in Küllstedt.

Dr. Franz Heinevetter wurde als 5. Kind von Georg Johann Heinevetter und seiner Ehefrau Therese Margarethe, geb. Wöhrle, jedoch am 04. April 1885 bereits in Treffurt geboren. Dies, nachdem sein Vater Georg Johann eine Stelle als preußischer Rechnungsrat (gemäß des Preußischen Hofrangreglements von 1878 rangierte der Titularrat in der fünften Rangklasse der Räte) dort zwischen etwa 1878 und 1885 annehmen konnte. Deshalb von Dingelstädt/Eichsfeld, wo er beruflich im preußischen Staatsdienst als Gerichts Aktuar, so die Berufsbezeichnung in der Heiratsurkunde von 1875, tätig war und auch wohnte, zunächst nach Treffurt wegzog oder versetzt wurde.


Der Umzug nach Erfurt, also die vorausgehende Versetzung oder Aufgabenübernahme von Georg Heinevetter als preußischer Beamter nach Erfurt, ist aus den erst 2015 aufgefunden Archiv-Unterlagen im Stadtarchiv Erfurt zu der Familie Georg & Therese Heinevetter für den
4. Oktober 1891 nach Erfurt ermittelbar – an den Anger 22 danach bis 1896 mehrere Umzüge zuletzt zur Michaelisstraße 12.

Archiv-Unterlagen im Stadtarchiv Erfurt zu der Familie Georg & Therese Wöhrle (Auszug) – Quelle: Stadtarchiv Erfurt – Mirkrofilm 416

Die 5 Geschwister Heinevetter mit Dr. Franz waren:

Heinevetter Katharina * 12.07.1877 Heiligenstadt rk + 14.02.1955 Erfurt , oo 1898 Erfurt , Hermann Dirk (1870-1945), 3 Kinder bekannt (Otto, Georg, Günther)
Heinevetter Marie Barbara * 20.09.1880 Treffurt rk + 04.03.1947 Erfurt , oo 1900 Erfurt, Carl Kokorski (-1947), 1 Kind bekannt (Ewald (1906-1968))
Heinevetter Christian Heinrich * 12.06.1882 Treffurt rk + 30.04.1883 Treffurt
Heinevetter Anna Maria * 02.08.1883 Treffurt rk + Erfurt? , oo 1906 Erfurt, Magnus Hergert, 1 Kind bekannt (Christa)
Heinevetter Franz Joseph * 04.04.1885 Treffurt rk + 11.04.1949 Erfurt, 1 Kind bekannt (Eva (1914))

Schulbesuch, Abitur in Erfurt 1905 – Studium in Leipzig und Breslau, Promotion 1912

Dr. Franz Heinevetter ging dann zumindest in den oberen Gymnasialklassen in Erfurt zur Schule und legte im Herbst 1905 sein Abitur in Erfurt ab.

Anschließend studierte Franz Joseph Heinevetter in Leipzig und Breslau u. a. Altertumswissenschaften. Hier in Breslau erscheint im Jahre 1911 Franz Joseph Heinevetter an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau zur 100 Jahr-Feier mit einem Festvortrag, Festschrift des archäologischen Seminars zum Thema “Würfel- und Buchstabenorakel in Griechenland und Kleinasien” – dem Thema seiner Dissertationsschrift.

Bericht
Über die Jahrhundertfeier der Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau
vom 1.—3. August 1911 (Deckblatt) – Quelle:
https://www.dbc.wroc.pl/dlibra/publication/9203/edition/8368/content , Zugriff am 11.04.2021.

Hier findet sich auf Seite 87 im Text und in der Anmerkung 8:

Der philosophischen Fakultät widmete Professor Methner in Bromberg sein Werk: ,Bedeutung und Gebrauch des Conjunctivs in den lateinischen Relativsätzen’. Dazu treten als Festgabe des Professor Foerster dessen unter dem Titel „Das Erbe der Antike” gesammelten Festreden 7) und die demnächst erscheinende Festschrift des archäologischen Seminars „Würfel- und Buchstabenorakel in Griechenland und Klein-Asien” von stud. phil. Heinevetter 8).
8) Fr. Heinevetter, Würfel- und Buchstabenorakel in Griechenland und Kleinasien. Festgruß des archäologischen Seminars. Breslau, Graß, Barth u. Comp.,1911″

Im Jahre 1912 promoviert schließlich Franz Joseph Heinevetter an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau zum Dr. phil. .
Der Titel seiner Inaugural-Dissertationsschrift lautete: “Würfel- und Buchstabenorakel in Griechenland und Kleinasien”.

Inaugural-Dissertationsschrift Dr. Franz Heinevetter (Deckblatt) Quelle: https://archive.org/details/wrfelundbuchst00heinuoft, Zugriff am 26.03.2021.

Auf der Website der Universität Toronto (Kanada) gibt es einen Link zu einem vollständigen Text dieser Schrift – wohl aus dem Digitalisat erstellt, hier ist die zugehörige PDF. Am 10. Februar 1912 erfolgte der Vortrag zur Promotion an der philosophischen Fakultät der Königlichen Universität zu Breslau.

Des weiteren findet sich im französischen Sprachraum in der Revue des Etudes Grecques ein Artikel aus dem Jahre 1914 mit einem Verweis auf die Dissertationsschrift aus dem Jahre 1912. Das Dokument ist online abrufbar und öffentlich zugänglich.

Bildschirmausschnitt –
Quelle: https://www.persee.fr/docAsPDF/reg_0035-2039_1914_num_27_123_6794_t1_0341_0000_3.pdf , Zugriff am 06.04.2021.

Heirat & Familiengründung in Breslau ab 1912, Erster Weltkrieg – pendeln Breslau <-> Erfurt bis 1919

Dr. Franz Heinevetter (* 04. April 1885 in Treffurt) & Martha Schneider (* 15. November 1887 in Breslau) – Ehe-Urkunde vom 04. November 1912 – Quelle: Stadtarchiv Breslau
Geburt Heinevetter Eva, 27. August 1914 in Breslau – Quelle: Stadtarchiv Breslau

Am 4. November 1912 heiratet Doktor Franz Heinevetter seine Frau Martha (* 15. November 1887 in Breslau), geborene Schneider, in Breslau und am 27. August 1914 wird die gemeinsame Tochter Eva in Breslau geboren.

Zwischen 1914 und 1922 war Dr. Franz Heinevetter in Breslau offenbar auch zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Breslauer Museum für Kunst und Gewerbe (?) tätig. Zudem wurde er im Jahre 1912 noch Mitglied der “Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur” in Breslau.

Quelle: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur, 90. Jahresbericht 1912 (Auszug)

Zugleich hielt Doktor Heinevetter am 16. Dezember 1912 in Breslau einen wissenschaftlichen Vortrag über das Thema: “Aus Eduard Schauberts Nachlass” (Archäologe, unter anderem in Griechenland wirkend, 1868 in Breslau verstorben). Hier kommt auch sein hoher Wissenstand in Richtung griechischer Archäologie (vergleiche seine Dissertationsschrift von 1912) mit zum Tragen.

Quelle: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur, 90. Jahresbericht 1912, Sitzungen, S. 1 ff (Auszug)

Spannend ist auch die Frage, wie der Lebensverlauf der Familie Dr. Franz und Martha Heinevetter mit Tochter Eva während der Zeit schon des ersten Weltkrieges von 1914 – 1918 war. Hier gibt es auch bei einer erneuten Auswertung der 2015 im Stadtarchiv Erfurt gefundenen Archivunterlagen (Mikrofilm) Erkenntnisse, die zum Teil verwirrend erscheinen:

Archiv-Unterlagen im Stadtarchiv Erfurt zu der Familie Georg & Therese Wöhrle (Auszug) – Quelle: Stadtarchiv Erfurt – Mirkrofilm 416

Demnach muss schon im ersten Weltkrieg die Familie zumindest zeitweise in Erfurt gelebt haben! – Stichwort Kriegsverlauf des ersten Weltkrieges Russland – Deutschland im Raum Oberschlesien. Es ist erkennbar, dass Martha Heinevetter mit der Tochter Eva vermerkt sind am 28. Mai 1915 wegen Umzug zurück von Erfurt nach Breslau in die Schillerstraße 2.

Archiv-Unterlagen im Stadtarchiv Erfurt zu der Familie Georg & Therese Wöhrle (Auszug) – Quelle: Stadtarchiv Erfurt – Mirkrofilm 416

Welche Schlüsse können wir aus dieser Archivunterlage Gesamtübersicht zur Familie Georg Heinevetter ziehen?
Danach ergibt sich, dass Franz Heinevetter sich am 26. Oktober 1905 nach Leipzig abgemeldet hat (Karteikartenkopf ad 6.) – zum Studium mithin.
Weiterhin ist erkennbar, dass folgende Abmeldungen erfolgten:

  • 09. November 1911 nach Breslau (Karteikartenkopf ad 6.)
  • 21. Oktober 1917 nach Breslau (Karteikartenkopf ad 6.)
  • 09. Mai 1918 nach Breslau (Karteikartenkopf ad 6.)
  • 21. Juli 1917 nach Breslau (Karteikarte Position 6.), Umzug am 26. Juli 1917
  • 14. August 1919 nach Breslau (Karteikarte Position 6.)

Die Abmeldungen nach Breslau 1917 und 1919 erfolgen von bereits der Eobanstraße 3. I (bedeutet wohl erstes Geschoss). Gründe für dieses Pendeln zwischen Breslau und Erfurt könnten in den Kriegsereignissen des Ersten Weltkrieges und in der daraus folgenden unsicheren beruflichen Situation in Breslau liegen, die auch nach Ende des Ersten Weltkrieges im Grunde (nur) ein wissenschaftlicher Mitarbeiter-Status des Museums zu Breslau war.
Unter Umständen hat sich Doktor Franz mit seiner Familie die Wohnung mit seiner Schwester Anna, verheiratete Hergert, geteilt oder nach heutigen Begriffen hatte er eine Nebenwohnung in der Eobanstraße 3 in Erfurt – zumindest bis 1919. Letztlich also der Wohnung später seiner Schwester Anna Hergert, in die Doktor Franz Heinevetter nach 1945 offenbar zurückkehrte.

Spätestens 1919 ist also die Familie von Doktor Franz Heinevetter wieder in Breslau. Dort muss er die Tätigkeit als Mitarbeiter des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau wieder aufgenommen haben. So befand sich im vorbereitenden Arbeitsausschuss zur Gründung des Museums für Altertümer in Gleiwitz seitens des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau Dr. Franz Joseph Heinevetter.

Vermutlich bewarb er sich 1921, 1922 auf die Stelle des Direktors dieses neuen Museums in Gleiwitz, sah dort also eine interessante Perspektive der beruflichen Verwirklichung. So kam er im Mai 1922 nach Gleiwitz und übernahm dort die Leitung des Oberschlesischen Museums in hauptamtlicher Tätigkeit. Wie der Wohnungstauschanzeige, die sich erhalten hat, zu entnehmen ist, fand der Umzug zum 1. Mai 1922 nach Gleiwitz statt.

Quelle: “Der Oberschlesische Wanderer”, 94. Jahrgang, Nr. 77 vom 1. April 1922, S. 6
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/373497/edition/352728/content,
Zugriff am 02.04.2021.
Karteikarte Dr. Franz Heinevetter Oberschlesisches Museum – Quelle: Forschung Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, 2015

1. Direktor Oberschlesisches Museum zu Gleiwitz 1922 – 1945, wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit

Damit war das Interregnum mit drei Leitern nach dem Wegzug von Artur Schiller beendet und zugleich einer professionellen Entwicklung der Weg geebnet.
Die erste zu lösende Aufgabe stellte die bedrückende Raumnot dar. Das Museum verfügte im neuen Sitz über 16 Säle und Räume.
1924 mietete die Stadt Gleiwitz für das Museum das ehemalige Offizierskasino in der Friedrichstraße. Das 25jährige Bestehen des Oberschlesischen Museums feierte man dann im Mai und am 1. Juni 1930 in der Zeit der Wirtschaftskrise. Am ersten Tag fand im Restaurant Stadtgarten die Jahresversammlung statt.

Direktor Dr. Franz Heinevetter teilte mit, 1929 besuchten das Museum 6.038 Personen, dank der verbilligten oder sogar kostenlosen Eintrittskarten an Sonntagen stieg die Besucherzahl im letzten Vierteljahr auf 7.700. Am 1. Juni 1930 fand im Haus Oberschlesien ein Festbankett zu Ehren von Artur Schiller statt.
Anfang 1934 wurde die Raumnot des Museums in Gleiwitz mit einem Umzug in die Villa Caro gelöst, gleichzeitig änderte man den Namen auf Oberschlesisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe. Heute existiert dies Haus als Museum in Gleiwitz.
Statt der 110. Jahresversammlung wurde am 22. März 2015 in der Allerheiligenkirche in Gleiwitz eine Heilige Messe für das Museum gehalten.

Das Haus von Artur Schiller (wurde nach Sachsen evakuiert) in Bunzlau diente ab etwa Februar 1945 als Lazarett der Roten Armee. A. Schiller starb in Görlitz am 2. Juli 1945, sein Grab wurde 1972 eingeebnet.
[Quelle: Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, in Oberschlesische Stimme Nr. 12/235 S. 3-4]

Geschichte des Oberschlesischen Museums zu Gleiwitz – Quelle: Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, in Oberschlesische Stimme Nr. 12/235 S. 3-4

Von Mai 1922 bis Frühjahr 1945 – 23 Jahre – leitet Dr. Franz Heinevetter mit großem Sachverstand als Direktor das Oberschlesische Museum in Gleiwitz.

Quelle: Wochenzeitschrift “Oberschlesien im Bild” – Mai 1924

Bereits in der Maiausgabe des Oberschlesischen Wanderers von 1922 wird die Leitungsänderung und Übergabe an Doktor Franz Heinevetter wie folgt dargestellt:

Quelle: Der Oberschlesische Wanderer v. 15. Mai 1922 , Nr 112, 94. Jahrgang, https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/187373/edition/176528/content , Zugriff am 12.04.2021.

Erhalten hat sich aus der Tätigkeit von Dr. Franz Heinevetter im Oberschlesischen Museum zu Gleiwitz bis in die heutigen Tage – oberflächlich betrachtet – nicht sehr viel, dennoch lohnte es sich, eine neue Detailrecherche in Digitalbibliotheken 2021 durchzuführen – mit erstaunlichen Ergebnissen – die Doktor Stefan Pioskowik, Myslowitz, hier dankenswerter Weise mit beitragen konnte.

Im November 1922 liefert Doktor Franz Heinevetter die zeichnerischen Vorlagen für die Abbildungen im Buch von Erwin Hinze zum Zinngießerhandwerk, hervorgehoben werden sein wissenschaftlich geschultes Auge und seine Sicherheit als Zeichner:

Hintze, Erwin [Hrsg.]
Die deutschen Zinngießer und ihre Marken (Band 3): Norddeutsche Zinngießer — Leipzig, 1923 (Auszug) –
Quelle: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hintze1923bd3/0010 , Zugriff am 12.04.2021.

In den Schlesischen Monatsheften, 1926, Jg. 3, Nr. Veröffentlicht Doktor Franz Heinevetter einen wissenschaftlichen Beitrag zu Zunftssiegeln in Schlesien:

Schlesische Monatshefte, 1926, Jg. 3, Nr. 2 –
Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/331376/edition/313183/content , Zugriff 12.04.2021.

So erscheint 1926 Dr. Franz Heinevetter im “Kunstmarkthandbuch Oberschlesien” neben der Position des 1. Direktors des Oberschlesischen Museums zu Gleiwitz als Geschäftsführer des “Bundes für bildende Kunst in Oberschlesien” mit Geschäftsstelle Gleiwitz, Friedrichstraße 1A.

Dr. Max Osborn, Handbuch des Kunstmarktes, 1926, Antiqua Verlag Berlin (Deckel) – Quelle: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/handbuch_kunstmarkt1926
Dr. Max Osborn, Handbuch des Kunstmarktes, 1926, Antiqua Verlag Berlin (Oberschlesien) – Quelle: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/handbuch_kunstmarkt1926

1927 veröffentlicht Dr. Franz Heinevetter u.a. einen kirchen-architektonischen Beitrag zur Kirche “Mariä Himmelfahrt” auf dem Gleiwitzer Hauptfriedhof:

Gleiwitzer Jahrbuch 1927 (Auszug – Deckblatt) S. 183 – 190 – Beitrag Dr. Franz Heinevetter “Die Schrotholz-Kirche Mariä Himmelfahrt auf dem Gleiwitzer Hauptfriedhof” – Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/10740/edition/10736/content , Zugriff am 10.04.2021.
Gleiwitzer Jahrbuch 1927 (Artikel – Auszug) S. 183 – 190 – Beitrag Dr. Franz Heinevetter “Die Schrotholz-Kirche Mariä Himmelfahrt auf dem Gleiwitzer Hauptfriedhof” – Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/10740/edition/10736/content , Zugriff am 10.04.2021.

Die genannte Schrotholzkirche wurde 1925, 1926 von Zembowitz umgesetzt auf dem Hauptfriedhof nach Gleiwitz, um deren Verfall am Ursprungsort zu verhindern. Die feierliche kirchliche Einweihung fand am 30. Oktober 1926 in Gleiwitz statt. Die Weihe der Kirche wurde durch Kanonikus Dr. Buchwald in Anwesenheit von Vertretern der Regierung, verschiedener Behörden sowie des Magistrats der Stadt Gleiwitz und unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung, die das kleine Kirchlein nicht fassen konnte, vollzogen.

Auch in der “Zeitschrift für katholische Kirchenmusik Cäcilia“, Nummer 7/8 von 1928 findet sich ein fachlicher Beitrag im Thema: “Die heilige Cäcilia in der Kunst” aus der Feder von Doktor Franz Heinevetter.

Cäcilia – Zeitschrift für Katholische Kirchemusik, 1928, Nr. 7/8 35. Jahrgang S.20 ff Quelle: https://sbc.org.pl/Content/341628/Gk159-0000-00-0001.pdf

In Festbeitrag zum 25. Jubiläum der Museumsgründung 1930 wird u. a. auch auf den Leitungswechsel zu Dr. Franz Heinevetter 1922 eingegangen.

1930 – 25 Jahre Museum – Festartikel (Auszug) – Quelle: Oberschlesien im Bild 1930, Nr. 25, 01. Januar 1930
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/7297/edition/6809/content, Zugriff am 08.04.2021.
1930 – 25 Jahre Museum – Festartikel (Auszug) – Quelle: Oberschlesien im Bild 1930, Nr. 26, 27. Juni 1930,
erwähnt wird hier bereits das Stadtmodell der Stadt Gleiwitz gefertigt von Dr. Franz Heinevetter 1928
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/7298/edition/6810/content ,
Zugriff am 08. 04.2021.
Stadtmodell der Stadt Gleiwitz (Ausschnitt) gefertigt von Dr. Franz Heinevetter 1928
Quelle: Oberschlesien im Bild, 1929, Nr. 1, 04. Januar 1929
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/6927/edition/6446/content ,
Zugriff am 08.04.2021.
Fachartikel zum Oberschlesischen Künstler & Bildhauer Prof. Moritz Schulz – Quelle:
Oberschlesien im Bild 1928, Nr. 35 v. 24. August 1928
https://www.herrenschmiede-heinevetter.de/wp-content/uploads/2021/04/OS_iB_1928_nr35.pdf

Auch in Rundfunk der damaligen Zeit war das oberschlesischen Museum präsent. So findet sich anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Museums für Sonnabend, den 3. Mai 1930 um 16:00 Uhr eine Übertragung aus Gleiwitz: Wanderung durch das oberschlesischen Museum mit Direktor Doktor Franz Heinevetter, Paul Kania.

Über die Jahresversammlung des Oberschlesischen Museumsvereins zu Gleiwitz, in dessen Vorstand ebenfalls Doktor Franz Heinevetter als Geschäftsführer wirkte, berichtet am 4. Juni 1932 die ostdeutsche Morgenpost:

Quelle: Ostdeutsche Morgenpost 4. Juni 1932, 14. Jahrgang Nr. 153
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/483064/edition/452651/content , Zugriff am 12.04.2021.

Durch Forschungen im Jahre 2015 des sehr geschätzten Forscherkollegen Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, eine Wochenzeitschrift aus dem Jahre 1934 ausfindig gemacht werden, in der Dr. Franz Heinevetter auch das Modell des Burgstädtchens Tost in Oberschlesien für das Museum nachgestaltete.

Ein weiterer Artikel zur Stadt Tost und das Stadtmodell findet sich in der Zeitschrift der “Der Oberschlesier” 1936, Seite 62. Ein Bild mit dem Modell auf S. 62 im Digitalisat – “Die Stadt Tost vor 150 Jahren von Franz Heinevetter” S. 503 im Text, S.65 im Digitalisat.
Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/15952/edition/14131/content , Zugriff am 12.04.2021.

Im letzten Satz wurde Leiter der Toster Heimatstube Richard Kosubek erwähnt. Über R. Kosubek gibt es einen Artikel in dem Buch „Streifzüge durch Oberschlesien“ von Doktor Stefan Pioskowik, Myslowitz, unter dem Titel „Ausschau von Burg Tost“ auf den Seiten 11(13) – 18(20).

Zu erwähnen an dieser Stelle ist auch Paul Kania, geb. 01. März 1901 in Zaborze bei Hindenburg, verstorben 1965 in Marl – ein hervorragender Kenner der Geschichte Oberschlesiens, vielfältig aktiv in unterschiedlichsten Berufen – SPD Mitglied (vor 1930), Leiter des Senders Gleiwitz (1927), Vertreibung nach Thüringen (1945), nach 1945 u. a. Leiter des Senders Weimar in Thüringen, 1954 Flucht aus der DDR nach Oberursel in Hessen. Stefan Pioskowik hat hierzu einen Artikel veröffentlicht in der Oberschlesischen Stimme Nummer 19 (288), 8.-21. November 2013.

Wochenzeitschrift “Oberschlesien im Bild” vom 14. August 1934 mit Stadtmodell Tost angefertigt von Dr. Franz Heinevetter, Gleiwitz
Quelle: Forschung Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, 2015

Der Brief des Vetters Heinrich aus der Herrnschmiede zu Heiligenstadt in Preußen im Jahre 1930

Im Jahre 1930 schrieb Dr. Franz Heinevetter einen Brief aus Gleiwitz an seinen Vetter, Heinrich Heinevetter (1887 – 1931), (Großvater des Autors), in Heiligenstadt. Dieser Brief konnte überliefert werden, hat die über 90 Jahre überdauert und wurde im Nachlass des Sohnes von Heinrich, Albert Heinevetter (1930 -2016), (Vater d. Autors), unerwartet aufgefunden. Er soll nun hier folgen: 

Brief Dr. Franz Heinevetter aus Breslau an seinen Vetter Heinrich vom 14. Januar 1930 – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Leider verstarb Heinrich Heinevetter (* 1887) unerwartet und plötzlich im Frühjahr 1931 und hinterließ seine Frau Sophie, geb. Huschenbett, (1895-1975), mit 5 kleinen Kindern, Albert (Vater des Autors) war damals gerade ein halbes Jahr alt….

So haben sich die Vettern Franz & Heinrich Heinevetter mit ihren Familien wohl leider nicht mehr begegnen können…

Im Adressbuch von Gleiwitz für die Jahre 1931 und 1936 findet sich folgender Eintrag:

Adressbuch Gleiwitz – 1931 (Auszug) – Quelle:
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/25642/edition/22677/content, Zugriff am 03.04.2021.
Adressbuch Gleiwitz – 1936 (Auszug) – Quelle:
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/15830/edition/13976/content, Zugriff am 03.04.2021.

Es konnte nun 2021 recherchiert werden, dass hoch erstaunlicher Weise dieses konkretes Objekt im heutigen Oberschlesischen Museum zu Gleiwitz noch existiert, das von Doktor Franz Heinevetter persönlich gestaltet wurde: das Holzmodell der Stadt Gleiwitz im 17. Jahrhundert! – es hat 93 Jahre inclusive Weltkrieg überdauert.

Hier nun ein Bildauszug zum Stadtmodell:

Bildschirmausschnitt – Quelle: http://muzeum.gliwice.pl/en/exhibition/gliwice-miasto-wielu-kultur-en – Zugriff am 03.04.2021.

Dies Holzmodell hat Doktor Franz Heinevetter 1928 geschaffen – dies ergibt sich auch aus der Übersetzung des englischen Textes aus der Website des genannten Oberschlesischen Museums:

Museum Gleiwitz – Modell 1928 engl. Textauszug – Quelle: muzeum.gliwice.pl, Zugriff am 02.04.2021.

Aus der publizistischen und wissenschaftlichen Tätigkeit der ersten Hälfte 1930-er Jahre finden wir unter anderem folgende Fachartikel von Doktor Franz Heinevetter in den verschiedenen Quellen:

Fachartikel v. Dr. Franz Heinevetter – Elefanten und Nashörner in OS. – Quelle: Ostdeutsche Morgenpost, Nr. 6, 15. Jahrgang v. 06. Januar 1933
Bildbesprechung v. Dr. Franz Heinevetter – Quelle: Oberschlesien im Bild, 1936, Nr.1, S. 6
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/8096/edition/7556/content , Zugriff am 08.04.2021.
Der Oberschlesische Wanderer, 1936, Jg. 109, Nr. 121, S. 8 – Würdigung von Eduard Grützner – Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/195343/edition/184036/content , Zugriff am 12.04.2021.
Kunstausstellung zu Willy Heier im Oberschlesischen Museum 1936 – Quelle: Der Oberschlesische Wanderer 1936, Nr. 333, 2. Dezember 1936, S. 2 (Auszug) , Zugriff am 14.04.2021.

Auch die Würdigung verstorbener oberschlesischen Künstler gehörte, je nach den Umständen, mit zu den Obliegenheiten von Dr. Franz Heinevetter. So hielt er anlässlich des Todes des oberschlesischen Bildhauers Thomas Myrtek die Eröffnungsrede zu einer Gedächtnisausstellung und Gedenkfeier im Dezember 1935 im Oberschlesischen Museum.

Ostdeutsche Morgenpost, 1935, Jg. 17, Nr. 347, S. 3 – Quelle: https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/486489/edition/455816/content , Zugriff am 12.04.2021.

Die Situation der späteren 1930-er und 1940-er Jahre – Rettung polnischer Kulturgüter

Auf dieser Website des Oberschlesischen Museums zu Gleiwitz findet sich für die Situation der späteren 1930-er und 1940-er Jahre ein bemerkenswerter Text von Damian Recław, Leiter der Geschichtsabteilung des Museums in Gleiwitz, – siehe http://muzeum.gliwice.pl/pl/wydarzenia/o-skrzyni-cechu-szewcow-z-gliwic (Zugriff am 03.04.2021)

Polnisch:

Jednym z ciekawszych zabytków obrazujących dawne rzemiosło górnośląskie jest skrzynia cechu szewców tzw. lada, eksponowana na wystawie stałej w tzw. Zamku Piastowskim. Na wewnętrznym wieku skrzynki napisano, czy raczej namalowano następujący napis: „Staro: A 737: odnowiano: 1795 za: Starszich Towarziszów Grzegorz: Wilskÿ a Beismin Alczer A: P: Baiziczerow J: L: K: P: oÿcza: f: mu M: H”. Napis ten sporządzony został w gwarze śląskiej z elementami słownictwa czeskiego i staropolskiego. Jego treść informuje, że skrzynka ta pochodzi z 1737 r. i została odnowiona w 1795 r. przez starszych cechu. Niestety część liter jest nieczytelna lub obecnie niezrozumiała. Zabytek ten został pozyskany przez Muzeum w Gliwicach jeszcze w czasach niemieckich, niedługo po założeniu placówki muzealnej w mieście. Wielką niechęć do wszystkiego, co polskie, zaczęto odczuwać w Gliwicach dopiero po powstaniach śląskich, a zwłaszcza w okresie hitlerowskim.

Na szczęście ówczesny dyrektor muzeum, dr Franz Heinevetter, nie był szowinistą i zadbał o to, aby te zabytki, w tym również omawiana skrzynka cechowa, dotrwały do końca II wojny światowej. A nie było to takie oczywiste, biorąc pod uwagę los pamiątek po Żydach, które Niemcy planowo i systematycznie usunęli z naszej placówki. Zapraszamy do lektury tekstu Damiana Recława, kierownika Działu Historii Muzeum w Gliwicach.

(Bildschirmausschnitt) – Zunftkiste der Schuhmacher 1759 – Museum Gleiwitz,
Quelle: http://muzeum.gliwice.pl/pl/wydarzenia/o-skrzyni-cechu-szewcow-z-gliwic ,
Zugriff am 08.04.2021

Deutsch:

“Eines der interessantesten Denkmäler (Ausstellungsstücke), die die ehemalige oberschlesische Handwerkskunst veranschaulichen, ist die Truhe der Schusterzunft, die sogenannte Lada, die in der Dauerausstellung im sogenannten Piastenschloss ausgestellt ist. Auf dem inneren Truhendeckel wurde geschrieben, oder besser gesagt gemalt, die folgende Inschrift : Alt: A 737: erneuert: 1795  unter: „Älteren Kameraden: Grzegorz Wilskÿ a Beismin Alczer A: P: Baiziczerow J: L: K: P: oÿcza: f: mu M: H”.

Diese Inschrift wurde im schlesischen Dialekt mit Elementen des tschechischen und altpolnischen Vokabulars verfasst. Sein Inhalt weist darauf hin, dass diese Truhe aus dem Jahr 1737 stammt und 1795 von den Zunftälteren renoviert wurde. Leider ist ein Teil der Buchstaben unleserlich oder derzeit unverständlich. Dieses Handwerkerkunstdenkmal wurde vom Museum in Gliwice in deutscher Zeit erworben, nicht lange nach der Errichtung des Museums in der Stadt. Große Abneigung gegen alles Polnische begann man in Gleiwitz erst nach den schlesischen Aufständen zu spüren und besonders während der NS-Zeit.

Glücklicherweise war der damalige Direktor des Museums, Dr. Franz Heinevetter, kein Chauvinist und sorgte dafür, dass diese Museumschätze, einschließlich der besagten Zunftkiste, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Bestand hatten. Und das war angesichts des Schicksals der jüdischen Sammlungsteile, die die Deutschen aus unserer Einrichtung geplant und systematisch entfernt hatten, nicht so offensichtlich.
Wir laden Sie ein, den Text von Damian Reclaw, Leiter der Geschichtsabteilung des Museums in Gliwice, zu lesen.

Einen weiteren Einblick in die Situation in Oberschlesien und Gleiwitz wirft dieser ebenfalls 2021 erforschte Artikel zur Versorgungslage der Stadtbevölkerung nach Kriegsbeginn gegen Polen im September 1939 sowie weitere Fachbeiträge zu Künstlern oder künstlerischen Ausstellungen Oberschlesischer Kunst im Museum in den Jahren 1939 – 1943.

Museumsdirektor , Leiter städtisches Wirtschaftsamt Ende 1930-er Jahre – (Auszug) – Quelle: Der Oberschlesische Wanderer v. 20. September 1939
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/373280/edition/352523/content , Zugriff am 08.04.2021
Fachbeitrag Dr. Franz Heinevetter zum Maler Wilhelm Kunert – Quelle:
Der Oberschlesische Wanderer, 116. Jahrgang, Nr. 122 v. 05. Mai 1943 (Auszug) ,
Zugriff am 14.04.2021
Fachbeitrag Dr. Franz Heinevetter zum Künstler J. Breitkopf-Cosel – Quelle:
Der Oberschlesische Wanderer, 116. Jahrgang, Nr. 139 v. 11. Juni 1943
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/297454/edition/281098/content ,
Zugriff am 08.04.2021
Fachbeitrag Dr. Franz Heinevetter zum Eisengusskünstler F.L. Beyerhaus – Quelle:
Der Oberschlesische Wanderer, 116. Jahrgang, Nr. 282 v. 10. Oktober 1943
https://www.sbc.org.pl/dlibra/publication/297582/edition/281219/content , Zugriff am 08.04.2021

Rückkehr nach Erfurt und Leben von 1945 – 1949, Familien der Schwestern

Nur 14 Monate später, in den schrecklichen Kriegsendwirren des 2. Weltkrieges mit dem Vorrücken der Roten Armee in Schlesien im Januar 1945 wurde das Museum in der Villa Caro anderen Zwecken zugeführt (Lazarett) – verließ Dr. Franz Heinevetter mit hoher Wahrscheinlichkeit mit seiner Tochter Eva (und mit seiner Frau – siehe unten) Oberschlesien und kehrte (über Umwege) zurück nach Thüringen in die Stadt Erfurt zu seiner Schwester Anna Hergert (~ 1883 in Treffurt), geb. Heinevetter.

Auch der Zweite Weltkrieg mit seinen fast sechs Jahre andauernden Grausamkeiten hinterließ bleibende Spuren, auch in Oberschlesien. Ins kollektive Bewusstsein der Oberschlesier prägten sich vor allem die tragischen Geschehnisse des Jahres 1945 ein. Die Mehrheit der Kinder der vom Krieg Heimgesuchten begann erst vor einiger Zeit öffentlich davon zu sprechen.

Hierzu hat Dr. Stefan Pioskowik 2017 einen in seinem Inhalt erschütternden Beitrag in der Oberschlesischen Stimme Nr. 1-2017, S. 3-4, veröffentlicht, der eindrücklich die Not und die schrecklichen Geschehnisse nach dem Einrücken der Roten Armee in Oberschlesien ab 24. Januar 1945 beschreibt, am Bespiel der Gleiwitzer Familie Kluber. Ein Familienmitglied, Raimund Kluber, geb. 1925, und seine Schwester Angela Kluber, Ärztin, die eindrücklich die Geschehnisse in Gleiwitz nach dem Einrücken der Roten Armee im Januar 1945 darstellt – beide machten eine ähnliche Odysse durch, wie die Fam. Dr. Franz Heinevetter, und diese führte zuletzt in die deutschen West-Bundesländer nach Nordrhein-Westfalen bzw. Hessen. Raimund Kluber verstarb am 8. Februar 2017 in Darmstadt.

Im thüringischen Erfurt wohnte Dr. Franz Heinevetter zuletzt 1949 nachweislich auf der Strebeurkunde in der Eobanstraße 3.

Dabei erweist es sich als sehr schwierig, den Weg in oder gar nach Erfurt nachzuvollziehen. Das letzte relevante Adressbuch im Zweiten Weltkrieg erschien in Erfurt im Jahre 1941/1942. Darin findet sich in der Eobahnstraße 3 Hergert, Anna, Witwe“. Somit ist ihr Mann Magnus Hergert bis 1941 verstorben – er wurde am 22.11.1873 in Geisa geboren und verstarb tatsächlich schon am 30.10.1936 an einem Motorradrunfall, wie sich aus der Sterbeurkunde (Standesamt Erfurt 1528/1936) ergibt (Nachforschung Mai 2021).

Erfurt – Adressbuch 1941/1942 (Auszug) – Quelle:
http://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00241658/ADR_Erfurt_167800213_1941_1942_80_0002.tif ,
Zugriff am 09.04.2021.

Im ersten Nachkriegsadressbuch von Erfurt aus dem Jahre 1948 erscheint zwar für die Wohnung Eobanstraße 3 wieder “Hergert, Magnus”, dies muss aber ein Formalfehler sein – vermutlich wurde der ehemalige Haushaltsvorstand nach damaliger Lesart ins Adressbuch übernommen.

Erfurt Adressbuch 1948 (Auszug) – Quelle:
https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpvolume_00258396 , Zugriff am 09.04.2021.

Beim folgenden Erfurter Adressbuch aus dem Jahre 1950 wird die Verwirrung komplett:

Erfurt Adressbuch 1950 (Auszug) – Quelle: https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpvolume_00241414 , Zugriff am 09.04.2021.
Erfurt Adressbuch 1950 (Auszug) – Einwohnerverzeichnis – Quelle:
http://wiki-de.genealogy.net/w/index.php?title=Datei:Erfurt-AB-1950.djvu&page=263&page=263#file , Zugriff am 10.04.2021.

Nun erscheint in der Eobanstraße 3 wiederum Hergert, Anna (geborene Heinevetter) und – Heinevetter, Magda ! (es gibt im übrigen nur eine Person mit dem Namen Heinevetter in Erfurt 1950, zumindest als Haushaltsvorstand) – welche Person ist das?
Auch hier konnte davon ausgegangen werden, dass es eine Verschreibung, ein falsches Hören z.B. sein könnte – mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es Heinevetter, Martha – das wäre dann die Frau von Doktor Franz Heinevetter! Zwar lebt aus den mündlichen Überlieferungen von Albert Heinevetter die Tochter Eva ebenfalls mit in diesem Haus, hat aber offenbar keinen eigenen Hausstand. Tatsächlich ist die Magda nach den Nachforschungen Mai 2021 Magdalena Martha Heinevetter, Frau von Dr. Franz Heinevetter.

Eva Heinevetter in Breslau, Gleiwitz und Erfurt 1914 – 1950 – ein sehr überraschender Fund

Im Jahre 2015 führten umfangreiche Recherchen zu Dr. Franz Heinevetter den Autor ins Stadtarchiv nach Erfurt. Dort konnten einige sehr bedeutsame Urkunden und Belege zur Familie Georg Heinevetter und Dr. Franz Heinevetter zu ihrer Erfurter Zeit via Mikrofilm aufgefunden werden. Die Verfilmung der gesamten Standesamtsunterlagen bis knapp Anfang der 1940-er Jahre und die externe Sicherung dieser Filmebewahrte dieses unersetzliche Archivmaterial vor der Zerstörung durch die Bombardierung Erfurts im 2. Weltkrieg, obgleich dennoch einige, wenige Filmrollen dabei vernichtet wurden oder verloren gingen.

Somit bietet das Erfurter Stadtarchiv, wie viele andere Stadtarchive auch, eine unersetzliche Originalquellenlage für heimatsgeschichtliche und Familienforschungszwecke – ein Besuch, mit entsprechender Voranmeldung und konkreten Suchzielen lohnt in jedem Falle.

Bis zum Frühjahr 2021 waren die dargestellten Informationen in diesem Text das, was man vom Leben der Familie Doktor Franz Heinevetter, seiner Frau Martha und seiner Tochter Eva herausfinden konnte.

Sehr überraschend gab es Anfang Mai 2021 aus Forscherkreisen der AMF e.V. einen sehr interessanten Hinweis auf einen einzigen Eintrag im digitalisierten Kirchenbuch einer katholischen Gemeinde in Gleiwitz – es handelte sich um den Heiratseintrag von Eva Heinevetter!

Sucheintrag in der polnischen Familienforschungs-Datenbank Geneteka. Quelle: Markus Schröter am 4. Mai 2021.

Somit hatte Eva, anders als bisher erwartet oder vermutet, doch bereits in Groß Rauden den Bund der Ehe geschlossen.
Am 5. Juli 1937 heiratete sie Oskar Thomale, ledig, geboren am 12. April 1912 in Gleiwitz. Er war als Soldat (Dienstgrad Feldwebel) beim Wehrbezirkskommando in Gleiwitz stationiert.
Trauzeugen der Eheschließung waren Doktor Franz Heinevetter, Museumsdirektor, seine Frau Martha, geb. Schneider, aus Gleiwitz. Die Trauung wurde vorgenommen durch Pater Jatzek.
Zu beachten ist hier zusätzlich, dass in den Bemerkungen über Dispensen vermerkt wird, dass eine Dispens erforderlich war wegen abweichender Religion des Ehepartners, d.h., Oskar Thomale war evangelischer Religion. Die Dispens “dispensatio ab imp.(edimento) mixtae religiosis” ist unter der Nummer 1149 vom 12.6.1937 vermerkt (Allerheiligenkirche).

Kirchenbuch Eintrag der Eheschließung von Eva Heinevetter und aus Oskar Thomale am 5. Juli 1937 in Groß Rauden.
Quelle: Kirchenbuch-Digitalisat Gleiwitz (?), www.familysearch.org, Zugriff am 04.05.2021 von Markus Schröter

Der Vater von Oskar Thomale (junior) war Oskar Thomale, bereits am 18.02.1917 im Alter von 45 Jahren verstorben, zur Zeit der Dt. Kaiserreiches als Polizeibeamter im Dienst und zugleich Vorsteher des Armenhauses. Die Mutter von Oskar Thomale (junior), Olga, geborene Botta, war somit bereits seit 1917 Witwe. Sie starb 1932. Die Beisetzung von Oskar Thomale (senior) fand am 21. Februar 1917 in Gleiwitz statt. Hierzu finden sich ebenso noch Belege in Traueranzeigen der Gattin, des Kriegervereins, des Ortsvereins der Polizeibeamten.

Traueranzeige der Gattin.
Quelle: Der Oberschlesische Wanderer 1917.02.

Traueranzeige Kriegerverein.
Quelle: Der Oberschlesische Wanderer 1917.02.

Traueranzeige Polizeibeamte.
Quelle: Der Oberschlesische Wanderer 1917.02.

Aus weiteren intensiven Recherchen mit großer Unterstützung von Doktor Stefan Pioskowik, Myslowitz, wurde aus dem Leben von Eva Heinevetter ein Bild gefunden aus dem Jahre 1934 und zugleich ein Hinweis auf den Beruf deutlich – sie war ausgebildete Sekretärin und Stenotypistin. Offensichtlich nahm sie mit weiteren Kolleginnen im Jahr 1934 an einem Wettbewerb teil und sie gewannen den Wettbewerb. Daraus entstand ein Foto in der Zeitschrift Oberschlesien im Bild 1934, Nummer 42, Seite 5.

Oberschlesien im Bild 1934, Nummer 42, Seite 5, vom 18.10.1934. Eva Heinevetter ist die fünfte Person von rechts, ganz hinten.
Quelle: https://sbc.org.pl/dlibra/publication/8563/edition/7986, Zugriff am 04.05.2021.
Erfurt Adressbuch 1950, S. 34 –
Thomale (Heinevetter), Eva – Sekretärin!
Quelle: https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpvolume_00241414
, Zugriff am 05.05.2021.

Mit dem Wissen um die Eheschließung von Eva Heinevetter 1937 und den Namenswechsel auf Thomale findet sich nun tatsächlich im Erfurter Adressbuch von 1950 in der Eobanstraße 3 der Eintrag: Thomale, Eva, Sekretärin.

Damit ist nun der endgültige und definitive Beweis erbracht, dass Eva Heinevetter mit ihrem Vater, Doktor Franz Heinevetter, und höchstwahrscheinlich auch ihrer Mutter, Magda Heinevetter, zwischen 1945 und 1949 in die Eobanstraße 3 nach Erfurt zurückgekehrt sind. Zudem wird zusätzlich noch belegt, dass Albert Heinevetter (1930-2016) tatsächlich 1950 Eva Heinevetter (verheiratete Thomale) in der Eobanstraße 3 in Erfurt getroffen hat.

Damit kam die Familie Dr. Franz Heinevetter in den Kriegsendwirren 1945 in Oberschlesien bei seiner Schwester Anna Hergert in Erfurt in deren Wohnung bzw. im gleichen (Miets)-Haus Eobanstraße 3 in Erfurt unter. Erst viel später erfolgte in der Stadt Erfurt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Neuordnung der öffentlichen Meldeunterlagen (im damaligen Land Thüringen mit Regierungssitz in Weimar) gegen Ende der 1940-er Jahre, spätestens aber ab Gründung der DDR im Oktober 1949.

1948 ist die Familie zwar im Adressbuch Erfurt noch nicht nachweisbar, jedoch ist belegt, dass Doktor Franz Heinevetter 1949 mit letztem Wohnsitz Eobanstraße 3 auf der Sterbeurkunde angegeben wird. Nun ist weiterhin bewiesen, dass seine Tochter Eva Thomale in diesem Haus 1950 lebte und höchstwahrscheinlich in Erfurt als Sekretärin (erlernter Beruf) arbeitete. Daraus ergeben sich hoffentlich weitere spannende Suchansätze der weiteren Familienentwicklung in Erfurt.

Offen bleibt nun noch die Frage des Schicksals von Evas Mann, Oskar Thomale, möglicherweise könnte er im 2. Weltkrieg gefallen oder vermisst sein. Desgleichen offen bleibt die “genaue Entwicklung” zwischen 1945 und 1949 in Erfurt für die Familie Doktor Franz Heinevetter.
Hier wird es weiterer Suchanstrengungen auf verschiedenen Ebenen bedürfen, um vielleicht doch noch etwas Licht in diese Jahre und das Schicksal der Personen bringen zu können.

Die Suche im Bundesarchiv 2021 – neue Spuren der Familiengeschichte führen nach Westdeutschland

Immer wieder gibt es wirklich überraschende Suchansätze und gerade bei einer so komplexen Suche, wie die, eine Familiengeschichte vom Ende des 19. bis ins 20. Jahrhundert nachzuverfolgen. Ausgangspunkt war hier wiederum der Tipp eines verehrten Forscher Kollegen, Markus Schröter, Stuttgart, der aus eigenen Forschungsaktivitäten eine Suche nach möglicherweise existierenden Akten im Bundesarchiv zu der Familie Doktor Franz Heinevetter anregte.

Die daraufhin erfolgende Suche im Bundesarchiv nach möglicherweise Akten zu Doktor Franz Heinevetter hatte überraschend Erfolg und führte zu einer Akte mit dem Thema Lastenausgleich aus dem Jahre 1952! Damit stand bereits fest, dass nach dem Ableben von Doktor Franz Heinevetter ein Teil der Familie, vielleicht seine Frau Magdalena Martha, und/oder Tochter Eva von der sowjetischen Besatzungszone in die Westzonen gewechselt sein mussten.

Bundesarchiv – Lastenausgleichsindexeintrag zu Dr. Franz Heinevetter, Antrag v. 1952
Quelle: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/c33b3b58-667e-4d14-8377-bf4a75474625/,
Zugriff am 27.05.2021.

Bei genauerer Analyse des Aktenindexes, die Originalakte liegt inzwischen im Bundesarchiv Außenstelle Bayreuth, wurde zudem noch klar, dass es sich offenkundig um den richtigen Doktor Franz Heinevetter aus Gleiwitz handeln musste und es tatsächlich um das Grundvermögen, wohl um ein Haus “Auf der Höhe 9” in Gleiwitz gehen musste. Zudem wurde ersichtlich, dass als Ort der Antragstellung angegeben wurde: Gladbeck. Dies war ebenfalls eine große Überraschung.

Somit verlagerte sich die Suche nun auf den Ort Gladbeck in Nordrhein-Westfalen und gleichzeitig parallel auf Suchanstrengungen zu den Geschwistern von Doktor Franz Heinevetter noch in Erfurt. Kurz vor Pfingsten 2021 erreichten den Autor zwei umfangreiche Briefe aus Gladbeck und Erfurt – aus den jeweiligen Stadtarchiven mit sehr spannenden und hochinteressanten Informationen.

In der sehr freundlichen Mitteilung aus dem Stadtarchiv Gladbeck, erfolgte die Mitteilung, dass Magdalena Martha Heinevetter, geborene Schneider aus Gladbeck im Jahre 1952 wohl den Lastenausgleichsantrag gestellt hatte, die Akte sei allerdings leider nicht mehr in Gladbeck vorhanden. Jedoch konnten aus der archivierten Meldekarte noch sehr wichtige Informationen erlangt werden.
Daraus ergibt sich das Magdalena Martha Heinevetter am 7.7.1952 aus Gelsenkirchen-Horst nach Gladbeck zugezogen ist und dort bei Thomale (!)– mit größter Wahrscheinlichkeit ihre Tochter Eva – Wohnung nahm. Nach einigen weiteren Umzügen 1954 und 1958 ist dann Magdalena Martha Heinevetter nach 20 Jahren am 28. Januar 1972 weitergezogen nach Nümbrecht im Oberbergischen Kreis.

Die hohe Wahrscheinlichkeit des Zusammenzugs mit ihrer Tochter Eva Thomale, geborene Heinevetter, ergibt sich, da aus dem Stadtarchiv Erfurt zeitgleich mitgeteilt wurde, dass in den wenigen Unterlagen zu Eva Thomale, geb. Heinevetter, vermerkt wird, am 06.08.1952 “amtlich abgemeldet wegen illegal nach Westdeutschland” – zu gut deutsch “Republikflucht”

Des Weiteren ist hier in den Stadtarchivunterlagen Erfurt vermerkt der Zuzug von Eva Thomale am 7. August 1945 von (Minden)-Kutenhausen nach Erfurt in die Eobanstraße 3. Dies ist doppelt überraschend, ergibt sich doch, dass im Zuge der Flucht aus Oberschlesien zunächst bereits in die Westzonen, amerikanische Zone, gewechselt wurde, die dann noch 1945 in Richtung Erfurt, zur Verwandtschaft (Schwester des Vaters, Anna Hergert) verlassen wurde.

Meldekarte Magdalena Martha Heinevetter (S. 1) . Quelle: Stadt Gladbeck, Stadtarchiv
Meldekarte Magdalena Martha Heinevetter (S. 2) . Quelle: Stadt Gladbeck, Stadtarchiv.

Bei diesem Umzug war Magdalena Martha allerdings bereits fast 85 Jahre alt. Bei den nun folgenden weiteren Recherchen in Nümbrecht, konnte zunächst im inzwischen auch online verfügbaren Adressbuch des Oberbergischen Kreises – hier 1973, Magdalena Martha Heinevetter im Ortsteil Hiddenhausen von Nümbrecht ermittelt werden.

Adressbuch Oberbergischer Kreis 1973 – Martha Heinevetter.
Quelle: http://wiki-de.genealogy.net/Oberbergischer_Kreis/Adressbuch_1973973, ULB Bonn,
https://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/periodical/pageview/5089265, Zugriff am 27.05.2021.

Sodann erfolgte eine gezielte Anfrage im Stadtarchiv Nümbrecht und dort wurde die Meldekarte von Magdalena Martha Heinevetter tatsächlich aufgefunden.

Meldekarte Magdalena Martha Heinevetter (1887 – 1979). Quelle: Stadtarchiv Nümbrecht

So schließt sich also hier nun der Kreis eines wohl auch sehr schlesischen Schicksals, geboren in Breslau 1887 zu Ende des 19. Jahrhunderts zur Kaiserzeit, Heirat 1912 in Breslau, 1914 Tochter Eva, Erster Weltkrieg, Umzug nach Gleiwitz, dort von 1922-1945 fast 25 Jahre an der Seite ihres Mannes, Zweiter Weltkrieg, Flucht und Vertreibung 1945 mit Zwischenstation in Minden-Kutenhausen vermutlich, sodann nach Erfurt in den Ostteil Deutschlands, dort 1950 im Adressbuch belegbar, 1952 die 2. Flucht dann in die Westzonen über Gelsenkirchen-Horst, Gladbeck von 1952-1972, 1972 nach Nümbrecht-Heddinghausen und von dort noch einmal nach Waldbröl, wo sie hochbetragt im Alter von 92. Jahren am 14.10.1979 verstarb r.i.p – eine wahre Odyssee – , sie überlebte ihren Mann, Dr. Franz Heinevetter (1885-1949) um 30 Jahre.

Weiter offen blieb an dieser Stelle die Frage des genauen Schicksals von Eva Thomale, geborene Heinevetter, die ja im August 1952 wegen “Republikflucht” amtlich in Erfurt abgemeldet wurde, sowie ihres Mannes, Oskar Thomale, möglicherweise könnte letzter im 2. Weltkrieg vermisst sein, mit erst späterer Familienzusammenführung, unter Umständen ebenfalls in den Westzonen.

Aus diesem Fund ergaben sich unmittelbar neue Suchanstrengungen, die sich konzentrierten auf die Suche im letzten Wohnort von Martha Heinevetter, Nümbrecht-Hiddenhausen sowie noch einmal in Gladbeck bezüglich Eva. Tatsächlich konnte im neuerdings auch online verfügbaren Adressbuch des Oberbergischen Kreises aus dem Jahr 1973 ermittelt werden in Nümbrecht-Heddinghausen -Eva Thomale!
Hat ggf. Eva gemeinsam mit ihrer Mutter Martha, die bereits hochbetagt (86.) war, in Nümbrecht -Heddinghausen gewohnt ab 1973 bis zum Ableben von Martha 1979?

Adressbuch Oberbergischer Kreis 1973 – Eva Thomale, geb. Heinevetter.
Quelle: http://wiki-de.genealogy.net/Oberbergischer_Kreis/Adressbuch_1973973, ULB Bonn,
https://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/periodical/pageview/5089265, Zugriff am 28.05.2021.

Auch die erweiterte Suche im Stadtarchiv Gladbeck erbrachte Anfang Juni 2021 großen Erfolg – die Lebensgeschichte von Eva und ihres, lang gesuchten, Mannes Oskar! konnte fortgeschrieben werden. Im besagten Stadtarchiv Gladbeck fanden sich auch die Meldekarten von Eva Thomale und Oskar Thomale.

Es ist nicht ganz einfach die komplexen Verhältnisse nachvollziehbar zu beschreiben. Klar ist, Eva und Oskar lebten zunächst gemeinsam in Gelsenkirchen-Horst (von wann genau, ist noch zu erforschen) in der Essener Straße 33 bis 03.06.1952, mit dem Umzug nach Gladbeck (Meldung 07.07.1952). Dies ergibt sich eindeutig aus den Meldekarten der 3 Personen. Zunächst Wohnung in der Märker Straße 7a, dann 08.07.1954 Ummeldung in die Münsterländer Straße 2.

Meldekarte 1-vorn Oskar & Eva Thomale, Gladbeck. Quelle: Stadtarchiv Gladbeck.
Meldekarte 1-hinten Oskar & Eva Thomale, Gladbeck. Quelle: Stadtarchiv Gladbeck.
Meldekarte 2-hinten Oskar & Eva Thomale, Gladbeck. Quelle: Stadtarchiv Gladbeck.

Hier zeigt sich bereits, dass Eva Thomale mit Meldung am 15.02.1972 nach etwa 20 Jahren in Gladbeck nach Nümbrecht-Heddinghausen im Oberbergischen Kreis verzogen ist – mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Nähe oder gleiche Wohnung (?), wie ihre Mutter Martha, denn Martha war bereits 85 Jahre bei diesem Umzug.

Unmittelbar hieraus entsteht die Frage nach dem Schicksal von Oskar Thomale, Evas Mann. Hier ergibt sich jetzt endlich aus der Meldekarte Gladbeck, dass Oskar am 21.07.1970 in Bochum als verstorben gekennzeichnet ist – Oskar, geboren am 12.04.1912 in Gleiwitz, wurde somit nur 58 Jahre alt.
Zu bemerken ist, dass als letzter Beruf “Pol. Beamter, Hauptwachtmeister” vermerkt ist – somit der gleiche Beruf wie in der Vorkriegszeit bis 1937 in Gleiwitz. Interessant ist zu vermerken, dass Oskar Thomale auch bei einer Zwischenstation nach dem 2. Weltkrieg in den Westzonen (NRW) eine Rolle spielte:

Adressbuch Gelsenkirchen-Horst (G-H) 1951, Thomal(e)a, Oskar.
Quelle:
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/periodical/pageview/2773621, Zugriff am 05.06.2021.

Spannender Weise wird als Beruf “Drogist” vermerkt – es ist daher davon auszugehen, dass Oskar Thomale nach dem Ende des 2. Weltkrieges nach 1945 in die amerikanisch besetzten Westzonen gelangt bzw. geflüchtet ist, während seine Frau , Schwiegervater Dr. Franz Heinevetter und dessen Frau Martha (nach kurzem Flucht-Aufenthalt in Kutenhausen im August 1945), dann von 1945-1949 bzw. 1951 in Erfurt bei Fam. Hergert in der Eobanstraße 3 in Erfurt wohnten. Oskar und Eva hatte sich durch den Krieg somit höchstwahrscheinlich aus den Augen verloren.

Erst 1951 wird Eva wohl klar oder erfährt sie, dass Oskar in den Westzonen Fuß gefasst hatte, zunächst eben als kaufmännisch Tätiger Drogist in Gelsenkirchen-Horst. Erst in den weiteren 1950-er Jahren nimmt Oskar wohl seinen Dienst bei der neu aufzustellenden Landespolizei in NRW auf.

Sehr wahrscheinlich 1951 (1950 noch im Adressbuch in Erfurt vermerkt) erfolgt dann die 2. Flucht von Martha (Dr. Franz Heinevetter ist 1949 verstorben) und ihrer Tochter Eva in die Westzonen – und dies höchstwahrscheinlich über Westberlin – Beleg ist der Personalausweis! von Eva, der zunächst in Berlin ausgestellt wurde.

Meldekarte 2-hinten (unterer Teil) Oskar & Eva Thomale, Gladbeck. Quelle: Stadtarchiv Gladbeck.

In Gelsenkirchen-Horst, Essener Str. 33, war dann die Familie Oskar, Eva und Martha wieder vereint ab etwa 1951 bis zum Umzug nach Gladbeck 1952.

Somit ist auch der Lebenskreis von Oskar Thomale (1912-1970) – zumindest in großem Rahmen – erforscht; bleibt die Frage, ob das Ehepaar Eva & Oskar Thomale Kinder hatte und falls ja, wie deren Lebensweg verlief oder noch verläuft.

Aus dem Stadtarchiv in Gladbeck konnten wir neben anderen wichtigen Informationen noch „nebenbei“ erfahren, dass es ein Kind namens Marion (Thomale) gibt, was 1966 im Adressbuch von Gladbeck erwähnt wird.

Adressbuch Gladbeck 1966, Auszug – Quelle: Stadtarchiv Gladbeck

Weitere Forschung mit Hilfe von Dr. Stefan Pioskowik hat ergeben, dass diese Marion Thomale 1955 bei der Anmeldung im VfL Gladbeck (Schwimmen) gefunden wurde.

VfL Gladbeck-Mitgliederzeitschrift August 1955 – Marion Thomale

Damit konnte man davon ausgehen, sie sei zwischen 1938 und 1945 geboren, andernfalls (eher u.E. unwahrscheinlich) müsste sie Kinderschwimmerin gewesen sein, 5-6 Jahre alt.

Das Suchergebnis des DRK-Suchdienstes, München & Marion Thomale

Am 08.05.2021 erfolgte, parallel zu den weiteren Suchaktivitäten, eine erste Anfrage beim DRK, Generalsekretariat Suchdienst, München, zur Schicksalsklärung von Oskar Thomale, geb. 12.04.1912 in Gleiwitz, der zuletzt am 05.07.1937 in Groß Rauden bei Gleiwitz gefunden werden konnte – bei der Heirat mit Eva Heinevetter.

Nach einigen verwaltungsseitigen Rückfragen aus München traf am 04.10.2021, 5 Monate später, das Ergebnis der Suchanfrage ein – mit sehr überraschendem Ergebnis:

Es wurde mitgeteilt, dass Oskar Thomale in der Zentralen Namenskartei des DRK-Suchdienstes mit einer Meldekarte vom 16.06.1949 (!) registriert ist. Aus den dort hinterlegten Daten geht hervor, dass Oskar Thomale sich bereits am 19.02.1945 (!) polizeilich in Erfurt, Eobanstraße 3, angemeldet hatte.

Allein dies war schon ein erstaunliches Ergebnis, denn damit kam die Familie Dr. Franz Heinevetter, nun inclusive Schwiegersohn Oskar Thomale, unmittelbar nach den Kriegsendwirren im Januar 1945 in Oberschlesien bei der Schwester von Dr. Franz Heinevetter, Anna Hergert, in Erfurt in deren Wohnung bzw. im gleichen (Miets-) – Haus Eobanstraße 3 in Erfurt unter.

Allerdings möglicher Weise getrennt nach Erfurt, denn weiterhin ist in den Stadtarchivunterlagen Erfurt vermerkt der Zuzug von Eva Thomale am 7. August 1945 von (Minden)-Kutenhausen nach Erfurt in die Eobanstraße 3. Dies ist doppelt überraschend, ergibt sich doch, dass im Zuge der Flucht aus Oberschlesien zunächst bereits in die Westzonen, amerikanische Zone, gewechselt wurde, die dann noch 1945 in Richtung Erfurt, zur Verwandtschaft (Schwester des Vaters, Anna Hergert) verlassen wurde.

Noch spannender sind jedoch Angaben zu den Familienmitgliedern, die sich (16.06.1949?!) im Haushalt der angemeldeten Person (Oskar Thomale) befunden haben:

Quelle: DRK-Suchdienst, München, Schreiben v. 30.09.2021 (Auszug)

Damit ist nun nicht nur der Fluchtort Erfurt für die Familie Oskar & Eva Thomale, geb. Heinevetter, belegt, sondern obendrein auch noch die der endgültige Beweis der beiden Kinder Helga und Marion, letztere nun auch noch mit ihrem Geburtsdatum (06.12.1942 – mit hoher Sicherheit in Gleiwitz).

Somit schließt sich hier der Kreis zu oben bereits genachten Forschungsergebnissen zu Marion für die Zeit 1955, Schwimmerin im VfL Gladbeck mit 12 Jahren, und weiter bis 1966 in Gladbeck. Sehr spannend bleibt nun noch die Frage nach dem weiteren Schicksal von Marion Thomale nach 1966 in NRW – möglicher Weise lebt sie noch – dies wird weitere Suchanstrengungen intensivieren, um ggf. doch noch den Kontakt wieder herstellen zu können.

Mit einem weiteren Hinweis aus dem Stadtarchiv Nümbrecht vom Juni 2021 und der kurz darauf im August 2021 übersandten Meldekarte finden wir das das zweite Kind, Helga Thomale, geb. 1938 in Gleiwitz.

Thomale, Helga – Lebens-Stationen

Helga Thomale wurde am 1. April 1938 in Gleiwitz als 1. Kind und Tochter von Eva Thomale, geborene Heinevetter, und ihrem Mann Oskar Thomale geboren. Die Wohnung der Familie lag sehr wahrscheinlich noch in der Raudener Straße 56 in Gleiwitz, wie das Adressbuch von Gleiwitz aus dem Jahr 1936 zeigt:

Quelle: Adressbuch Gleiwitz 1936, Auszug S. 363

Sehr wahrscheinlich wurde Helga evangelisch getauft, der Vater war gemäß der Heiratsurkunde von 1937[1] evangelisch. Der (kirchliche) Beleg für die evangelische Taufe liegt uns jedoch aufgrund der nicht zugänglichen Kirchenbücher der evangelischen Kirchgemeinde in Gleiwitz nicht vor. Später, auf der Meldekarte aus Nümbrecht, wird als Religion bei ihr jedoch evangelisch angegeben. Es ist davon auszugehen, dass ihr Vater Oskar Thomale in dieser Zeit 1937/1938 noch als Polizeibeamter beziehungsweise Soldat (Feldwebel) beim Wehrbezirkskommando Gleiwitz tätig war. Wie weiter oben schon dargestellt, fehlen uns ab der Geburt 1938 bis zum Jahr 1975 weitestgehend die Informationen zum konkreten Lebensweg.

Allerdings darf man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Helga nach der Flucht der Familie aus Gleiwitz im Januar 1945 vor der heranrückenden Roten Armee mit ihrer Mutter Eva und ihrer Schwester Marion sowie der Großmutter Martha Heinevetter und Dr. Franz Heinevetter (?) den Weg über Kutenhausen (bei Minden, NRW) nach Erfurt in die Eobanstraße 3 mitgegangen ist. Daraus ergibt sich dann auch die zweite Flucht Mitte 1952 aus Erfurt (über Westberlin? – vgl. Ausweis-Nr. Eva Meldekarte Gladbeck) mit ihrer Schwester Marion, der Mutter Eva Thomale und Großmutter Martha Heinevetter in die Westzonen nach Gelsenkirchen-Horst (1952-1954) und später nach Gladbeck (1954-1972).

Konkret ist allerdings ein Nachweis von Helga Thomale in Gladbeck selbst bisher nicht erfolgt, im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester Marion, die bereits 1955 in Gladbeck (VfL Gladbeck – Schwimmabteilung) bzw. 1966 im Telefonbuch nachweisbar ist. Jedoch wohnt Helga, wie ihre Mutter Eva und ihre Großmutter Martha Heinevetter, ab 1975 zumindest im gleichen Ort Nümbrecht-Heddinghausen bzw. Nümbrecht. Woher der Umzug erfolgte, ist ebenfalls unklar.

Bemerkenswert ist zudem auch noch, dass Helga, die den Beruf als kaufmännischer Angestellte ausübte, ebenfalls auf Basis der Quelle der Meldekarte aus Nümbrecht, am 29.02.1963 die Ehe schloss im Ort Sigmaringen, in Baden-Württemberg. Sigmaringen ist heute eine Kreisstadt an der oberen Donau, damit zweitgrößte Stadt in dem Landkreis Sigmaringen.

Diese Eheschließung lässt auf eine spannende, uns aber bislang unbekannte Lebensentwicklung zwischen 1952 und 1963 schließen. Helga war bei der Eheschließung mit 25 Jahren für heutige Sichtweisen noch relativ jung. Später wurde diese Ehe dann allerdings geschieden, wann geschieden und wer der Ehemann von Helga war, ist unbekannt. Ob die zeitliche Lücke von 2-mal einem Vierteljahrhundert ab 1952 (Erfurt) und dann nach 1996 (Köln) bis in die Gegenwart noch in Gänze aufgeklärt werden kann, scheint fraglich zu sein.

Es soll an dieser Stelle daher folgen die Meldekarte von Helga Thomale aus Nümbrecht sowie die nachweisbaren Wohnorte zwischen 1974 und 1996.

Abb. 76: Meldekarte 1-vorn Helga Thomale, Nümbrecht. Quelle: Stadtarchiv Nümbrecht.
Abb. 77: Meldekarte 1-hinten Helga Thomale, Nümbrecht. Quelle: Stadtarchiv Nümbrecht.

50129 Bergheim – Ortsteil 50127 Quadrath-Ichendorf

Wohnung bis 02.01.1975 im Meisenweg 2

Abb. 78: Quadrath-Ichendorf – Kartenausschnitt. Quelle: https://onlinestreet.de/strassen/in-Bergheim.Quadrath-Ichendorf.html, Zugriff am 19.08.2021.

51588 Heddinghausen (Oberbergischer Kreis)

Wohnung vom 02.01.1975 bis 01.07.1977 bei Vermieter Friedhelm Bauer

51588 Nümbrecht

Wohnung Am Hof 9 vom 01.07.1977 bis 28.11.1984 bei Vermieter Rolf Vogel

Abb. 80: Nümbrecht – Kartenausschnitt. Quelle: https://www.google.com/maps/@50.9021724,7.5423617,1475m/data=!3m1!1e3?hl=de-DE, Zugriff am 19.08.2021.

50933 Köln-Lindenthal

Wohnung in der Malmedyer Straße 11 im Stadtbezirk Lindenthal

ab 28.11.1984 bis 1996 (Lt. D-Info Telefon-CD)

Der D-Info 3 (1996) -Eintrag lautet: Thomale, Helga, Malmedyer Str. 11, 50933 Köln.

Abb. 81: Auszug D-Info 3 -CD 1996 zu Helga Thomale, Köln. Quelle: Screenshot.

Hier verdanken wir der Nachfrage des Forscherkollegen Markus Schröter in Köln, die Aussage, dass Helga Thomale, vermutlich als kfm. Angestellte, ihr Beruf, in einer Reinigungsfirma tätig war. Zudem war sie geh-eingeschränkt, lernte in den 1990-er Jahren einen neuen Partner kennen und verzog dann von Köln aus an derzeit einen noch unbekanntem Ort.

Abb. 82: Auszug Stadtplan Köln – Malmedyer Straße. Quelle:  https://stadtplan.koeln.de/index.php?zoom=16&lat=50.938549964&lon=6.889521377&OLversion=3&markText=Malmedyer%20Str.%2050933, Zugriff am 19.08.2021.
Abb. 83: Auszug Stadtplan Köln (Streetview) – Malmedyer Straße. Quelle: 
https://www.google.com/maps/place/Malmedyer+Str.+11,+50933+K%C3%B6ln/@50.9384554,6.8884799,3a,75y,136.1h,85.65t/data=!3m7!1e1!3m5!1su6IDo-WXDs8X9t6SKe2gtA!2e0!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fpanoid%3Du6IDo-WXDs8X9t6SKe2gtA%26cb_client%3Dmaps_sv.tactile.gps%26w%3D203%26h%3D100%26yaw%3D153.97437%26pitch%3D0%26thumbfov%3D100!7i13312!8i6656!4m5!3m4!1s0x47bf3ad4f3c905cd:0x5d08c4ab5c22a6f!8m2!3d50.93834!4d6.88857, Zugriff am 19.08.2021.

Diese beiden, seinerzeit 1945-1952 noch minderjährigen, Kinder Helga & Marion Thomale müssen mit höchster Wahrscheinlichkeit auch nach Kriegsende 1945, Flucht aus Oberschlesien, bis etwa 1949-52 mit der Mutter Eva bei der Schwägerin der Großmutter, Anna Hergert, geb. Heinevetter, in Erfurt/Thüringen gewesen sein. Dies, bevor sie mit ihrer Mutter Eva und Großmutter Martha 1952 in die Westzonen wechselten (Nachweis Archiv Erfurt). – Leider kann Albert Heinevetter (1930-2016), hierzu nicht mehr befragt werden, er hätte dies noch zu 100 % bestätigen können – traf er doch die Familie 1950 in Erfurt.

[1] Vgl. Abb.58 Kirchenbuch Eintrag der Eheschließung von Eva Heinevetter und aus Oskar Thomale am 5. Juli 1937 in Groß Rauden.
Quelle: Kirchenbuch-Digitalisat Gleiwitz, www.familysearch.org, Zugriff am 04.05.2021 von Markus Schröter.


Diese beiden, seinerzeit noch minderjährigen, Kinder müssen dann mit höchster Wahrscheinlichkeit auch nach Kriegsende 1945, Flucht aus Oberschlesien, bis etwa 1949-52 mit der Mutter Eva bei der Schwägerin der Großmutter, Anna Hergert, geb. Heinevetter, in Erfurt/Thüringen gewesen sein. Dies, bevor sie mit ihrer Mutter Eva und Großmutter Martha 1952 in die Westzonen wechselten (Nachweis Archiv Erfurt). – Leider kann ich meinen Vater Albert Heinevetter (1930-2016) hierzu nicht mehr befragen, der dies hätte noch zu 100 % bestätigen können – er traf die Familie 1950 in Erfurt.

Die Erforschung der weiteren Lebensgeschichte – hierzu wird es neuer Suchanstrengungen bedürfen, um noch weiters herauszufinden und ein gutes Stück “Glück des Tüchtigen” – es bleibt eine hochspannende und emotional sehr bewegende Familiengeschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur (Fast)-Gegenwart Ende des 20. Jahrhunderts -.

Durch das Zusammenfassen aller ermittelbaren Tatsachen, ist es insgesamt somit gelungen, sehr weitgehend die vorhandenen Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild des Lebenszyklusses der Fam. Dr. Franz Heinevetter, seiner Frau Magdalena Martha, Eva & Oskar Thomale zusammenzuführen.

Hier soll nun noch folgen eine Darstellung der Familienverhältnisse der Familien und Geschwister von Doktor Franz Heinevetter mit Auszügen aus den bisher bekannten bzw. ermittelten Daten:

Familien der Geschwister Heinevetter mit Doktor Franz Heinevetter – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Albert Heinevetter (1930 – 2016) (Vater des Autors) hat Eva Heinevetter schließlich ca. 1950 dort in Erfurt noch getroffen. Aus dem von Doktor Karl Nolte (1994?) handschriftlich notierten Stammbaum geht noch hervor, dass Eva ebenfalls ein Kind gehabt haben soll, eine Tochter – näheres jedoch bisher unbekannt.

Leider ist die Verbindung zu den Verwandten in Erfurt Fam. Hergert, Fam. Kokorski in der Nachkriegszeit und den 1950-er – 1970-er Jahren später allmählich abgebrochen. Dr. Franz Heinevetter wohnte zuletzt in der Eobanstraße 3 in Erfurt und verstarb am 11. April 1949 in Erfurt.

Eine der möglicherweise letzten schriftlichen Kontaktbelege nach Erfurt zur Fam. Kokorski v. 22.04.1972 – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Jedoch konnten im Stadtarchiv Erfurt im Jahr 2021 wertvolle Hinweise zur Familiengeschichte der Schwestern von Doktor Franz Heinevetter Anna Marie Hergert (1883-1951), Marie Barbara Kokorski (1880-1947) und Katharina Dirk (1877-1955) gefunden werden, die wir zusammengefasst an dieser Stelle zum ergänzenden Nachlesen anbieten möchten.

Nachtrag zur notwendigen Beharrlichkeit in der genealogischen Forschung

Hier bietet sich an ein persönlicher Nachtrag zur notwendigen Beharrlichkeit in der genealogischen Forschung. 1995 begann der Autor seine genealogischen gesammelten Daten in eine Genealogie-Software (damals Reitmeier-DOS) einzugeben. Dabei kam auch ein handschriftlicher Stammbaum, der vor 1990 erstellt worden sein muss, der Geschwister von Franz-Xaver Heinevetter (1857-1942) zur Bearbeitung. Dieser Stammbaum wurde von Dr. med. Karl Nolte, Meckenheim (1914-1994?), einem nahen Verwandten, dessen Großmutter Katharina Heinevetter eine Schwester des genannten Franz-Xaver Heinevetter war und gleichzeitig eine Schwester von Georg Heinevetter (1848-1926), dem Vater von Dr. Franz Heinevetter.

Stammbau-Auszug Geschwister Heinevetter um 1850 von Dr. med. Karl Nolte – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Im Januar 1996 meldete sich, vermutlich aufgrund von Zeitungsartikeln über den Arbeitskreis Eichsfeld im AMF und Forschungen dort, ein Forscher aus Niederorschel/Eichsfeld beim Autor und konnte einige kleine Informationen beitragen zur Schwester von Dr. Franz, Katharina Heinevetter, geboren am 14. Februar 1877 in Treffurt, später um 1898 verheiratet mit Rektor/Lehrer Hermann Dirk in Niederorschel , geboren am 22. Mai 1870 in Niederorschel, + 31.08.1945 in Erfurt. Beider gemeinsames Kind war unter anderem der spätere Pfarrer (1942-1965) der katholischen Kirche zu St. Aegidium in Heiligenstadt, Rektor Georg Dirk (1906-1975).
Ein Ausgangspunkt der weiteren vielfältigen Recherchen zu Dr. Franz Heinevetter war daraufhin eine Suchanfrage des Autors im September 1999 an die Forschungs-Liste des AgoFF und AMF mit der Bitte um Unterstützung bei der Suche nach Lebensdaten zur Familie Georg und Franz Heinevetter, 1848 und ca. 1876 Heiligenstadt / Treffurt.

AMF, AgoFF – Suchanfrage von 1999 – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Weiter ging die Forschung mit Suchanfragen 1999 im Stadtarchiv zu Treffurt, wo die Geburtsurkunde von Dr. Franz Heinevetter und seiner Geschwister gefunden und dem Autor in Kopie zur Verfügung gestellt worden. Hieraus ergab sich – nebenbei… – erstmals der Hinweis auf Sterbeort und Datum 1949 in Erfurt.

Geburtsurkunde Dr. Franz Heinevetter 1885 – Quelle: Stadtarchiv Treffurt


Im März 2015 meldete sich per Zufall der Forscherkollege Klaus Häger aus Barcelona in Spanien, der auf Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, und auf dessen Suche nach Daten zur Lebensgeschichte von Dr. Franz Heinevetter in Vorbereitung seines geplanten Artikels in der Oberschlesischen Stimme im Jahr 2015 hinwies – der Kollege Häger in Spanien hatte über die Mitgliedsliste der AMF nach “Heinevetter” recherchiert und war dabei zum Glück auf den Autor gestoßen…

Schriftwechsel (Auszug) mit Dr. Stefan Pioskowik, Myslowitz, 2015 – Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt

Gemeinsam mit Dr. Stefan Pioskowik und dank seiner intensiven Unterstützung konnten wichtige Details in den polnischen Archiven zu Breslau aufgefunden werden.
Dr. Stefan Pioskowik ist Schriftsteller und Publizist in Polen, er hat auch bereits in den Eichsfelder Heimatstimmen veröffentlicht, dort u.a. über den Politiker Franz Ehrhardt dabei mit Daten aus Fuhrbach u.a. (Klaus Häger bearbeitet das OFB Fuhrbach). Dr. Pioskowik schreibt in Polen regelmäßig Artikel für die deutschsprachige Beilage der „Oberschlesische Stimme“ – das Organ des Deutschen Freundeskreises in der Deutschen Minderheit in Polen.

Würdigung in der Heimat der Eltern im Jahre 1999

Eine posthume Würdigung in der Heimat der Eltern, im Eichsfeld, erfuhr Dr. Franz Heinevetter durch die Aufnahme in das Standardwerk “Gestalten des Eichsfeldes – ein biografisches Lexikon” von Bernhard Opfermann, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt, 1. Aufl. 1968, 2. Aufl. 1999.

Quelle: Standardwerk “Gestalten des Eichsfeldes” – in biografisches Lexikon von Bernhard Opfermann, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt, 1. Aufl. 1968, 2. Aufl. 1999, S. 149
Museums-Führer durch das Oberschlesische Museum zu Gleiwitz
von Dr. Franz Heinevetter (1930)
Bildschirmauszug – Quelle:
https://jodlowanie.pl/tag/franz-heinevetter/
Zugriff am 03.04.2021.
Museums-Führer durch das Oberschlesische Museum zu Gleiwitz
von Dr. Franz Heinevetter (1930) –
Quelle: Familienarchiv Heinevetter via UB_Erfurt, scan 2021,
Selbstverlag OS-Museum (1930)

Auszug – Museums-Führer durch das Oberschlesische Museum zu Gleiwitz, 1930, –
Vorwort von Dr. Franz Heinevetter (transkripiert):

Aus dieser kurzen Textpassage des Vorworts zum Museumsführer des Oberschlesischen Museums aus dem Jahr 1930 (Endzeit der Weimarer Republik) kann man den umfassenden, wissenschaftlichen und universellen Ansatz des Direktors Dr. Franz Heinevetter herauslesen, der im Rahmen der gegebenen, auch räumlichen Möglichkeiten sowohl ein umfassendes Bild Oberschlesiens darstellen, wie auch Einblick in Lebensformen anderer Länder und Völker gewähren wollte.

Berücksichtigt man den Text zur Museumsgeschichte auf der heutigen Internetseite des Museums in Bezug zu der äußerst kritischen Situation Ende der 1930-er und Anfang der 1940-er Jahre, so kann man sagen, dass dieser universelle Ansatz, soweit es möglich war – vergleiche Erhaltung polnischer Ausstellungsstücke – gewahrt wurde oder (zumindest teilweise) werden konnte.

Bei der Drucklegung “Gestalten des Eichsfeldes – ein biografisches Lexikon” 1999 waren jedoch diese später recherchierten umfangreichen Informationen zum weiteren Leben und Wirken bis zur Rückkehr nach Erfurt offensichtlich noch gänzlich unbekannt.

Dem Autor ist es eine Freude, hier einen größeren Überblick über Leben und Wirken unseres Verwandten Doktor Franz Heinevetter dem geneigten Publikum präsentieren zu können – ein spannendes Stück Familien- aber auch Weltgeschichte vom Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, mit all den Brüchen, Katastrophen und Wirrungen – zum Gedenken und zur Mahnung der Nachgeborenen.

WirkungsortDr. Franz Heinevetter – Stadt Gleiwitz Villa Caro – Museum
Quelle: Bildschirmausschnitt.
https://gliwice.eu/de/karten/zabytki-ciekawe-miejsca-muzea/villa-caro , Zugriff am 13.04.2021.
Heimatort der Vorfahren – Herrnschmiede Heinevetter Heiligenstadt 1906 & 2003
Quelle: Familienarchiv Heinevetter, Heiligenstadt.
Hier finden Sie nun NEU (2021.05) –
  • den zusätzlichen Text der Website zu Dr. Franz Heinevetter als PDF/A – als interessante Alternative zum Lesen und Nachschlagen als 3-D-Flipbook


  • eine große, erweiterte Stammtafel Georg Heinevetter (1848-1926) & Theresia Wöhrle (1854-1911)

  • eine weitere Zusammenfassung gesammelter Informationen, Familiengenealogie, auch der Geschwister von Dr. Franz Heinevetter sowie Quellen mit Mikrofilmauszügen aus dem Stadtarchiv Erfurt sowie Erfurter Adressbüchern zu Dr. Franz Heinevetter als 3-D-Flipbook

Die vielfältigen Forschungen zu Doktor Franz Heinevetter wären nicht möglich gewesen ohne die sehr angenehme und sehr inhaltsreiche Zusammenarbeit mit dem lieben Forscherkollegen Doktor Stefan Pioskowik.
Auf den folgenden Seiten (> link) finden Sie eine Übersicht über die Publikationen von Stefan Pioskowik.