Am 10. Oktober 2019 jährt sich zum 80. mal ein folgenschwerer Unglücksfall, der sich genau vor den Toren der Herrenschmiede Heinevetter in der Lindenallee zutrug – der Absturz eines Kleinflugzeugs.

Zeitzeuge dieses Unglücksfall war Albert Heinevetter (1930-2016), der als 9-jähriger Junge das Ereignis direkt miterleben musste.

Nur 6 Wochen nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 stürzte am 10. Oktober 1939 ein Kleinflugzeug in der Lindenallee ab. Ein Enkelsohn der Familie Gries aus dem benachbarten Fuchswinkel, stationiert in einer Fliegereinheit bei Eschwege, wollte seiner Großmutter mit seinen Kunstflügen eine besondere Vorführung geben.

Nachdem er schon mehrere Runden über der Stadt gedreht hatte und dabei auch die Kirchtürme der St. Marienkirche in Schräglage durchflogen hatte, kam er so tief herunter, dass er sich in den Telefondrähten, die die Lindenallee zwischen der Propstei und dem Dieckmannschen Haus (Lindenallee Nummer 37) überspannten, verfing und dadurch abstürzte.

Er schlug mit einer Tragfläche auf das Dach der Lindenallee 29 auf (Wohnhaus von Albert Heinevetter, Nachbarhaus der Schmiede – bis 1963 teilweise mit integriert in die Schmiede) drückte dabei ein Fenster ein, riss große eiserne Blumenkästen nebst Halterungen herunterunter, schlug beim Herabfallen auch noch gegen das Schmiedetor, zerstörte dies komplett und fiel wieder zurück auf eine vor der Schmiede stehende Sämaschine.

Der Herrenschmied Martin Heinevetter (1886 – 1965) und ein Geselle konnten geistesgegenwärtig noch zurückspringen und sich unter die Bäume in der Lindenallee retten. Nur der kriegsbedingt zugewiesene mithelfende Schmied Johann, der Saarländer, lag unter einer auf der Straße vor der Schmiede zur Reparatur stehende Sämaschine und bekam das ganze Motoröl ab. Johann überlebte den Unglücksfall, der junge Heiligenstädter Pilot Philipp Gries jedoch nicht. Er verstarb wenige Stunden nach dem schrecklichen Unglücksfall und wurde auf dem Alten Friedhof beigesetzt.

Auf Familie Heinevetter bedeutete dies eine große Aufregung, waren doch auch 2 Schwestern von Albert Heinevetter mit auf der Straße mit einem Nachbarkind unterwegs , konnten sich in Todesangst in das Haus Lindenallee Nummer 33 (Pingel) retten.

Es strömten auch sehr schnell Schaulustige herbei und der Polizei gelang es kaum, die Absperrungen aufrechtzuerhalten.

Die Unglücks-Flugmaschine wurde noch am Nachmittag des Unglückstages von der Fliegereinheit in Eschwege geborgen; den Zeitungen war es untersagt über das Ereignis zu berichten – handelte es sich doch um eine „unerlaubte Entfernung von der Truppe“.

Ob Fotos des Ereignisses existieren, war jahrzehntelang unbekannt; erst im Jahre 2012 entdeckte der Heiligenstädter Georg Klingebiel in dem ihm übergebene Nachlass des Heimatforschers Karl-Josef Hüther  Fotos des Ereignisses.

Daraus entstand ein Interview mit Albert Heinevetter und ein Medienbericht des Jahres 2012 zu dem Ereignis. Weitere Details finden Sie hier.

Medienbericht 2012